Wenn das nötige Geld fehlt

Was als Hilfe für Diasporapfarreien begonnen hat, ist heute aus der Kirche in der Schweiz nicht mehr wegzudenken. Durch die Unterstützung verschiedener Projekte trägt die Inländische Mission zur Vielfalt der Kirche bei.

Am Freitag, 21. September, dem internationalen Friedenstag, werden europaweit die Glocken geläutet. (Foto: Glockengiesserei H. Rüetschi AG)

 

Das älteste katholische Hilfswerk der Schweiz, die Inländische Mission (IM), wurde 1863 in Zug mit dem Ziel gegründet, mithilfe der katholischen Stammlande Missionsstationen in den reformierten Kantonen aufzubauen und zu unterhalten. Nur so konnte die katholische Seelsorge gewährleistet werden, da es vor gut 150 Jahren den Katholiken noch nicht möglich war, in reformierten Kantonen Kirchensteuern einzuziehen. Dank der Hilfe der Inländischen Mission konnten Kirchen gebaut sowie Priester angestellt und besoldet werden. So entstanden kräftige Diasporapfarreien.

Dank der öffentlich-rechtlichen Anerkennung der Römisch-Katholiken auch in den reformierten Kantonen im 20. Jahrhundert ist es heute – mit Ausnahme von Genf und Neuenburg, wo es eine strikte Trennung zwischen Kirche und Staat gibt – in den meisten Fällen nicht mehr nötig, die frühere Diaspora finanziell zu unterstützen. Seit gut 50 Jahren gilt deshalb die Hilfe der Inländischen Mission kleinen Pfarreien und Kirchgemeinden, meistens in Berggebieten. Dazu werden Seelsorgeprojekte auf gesamtschweizerischer, sprachregionaler oder regionaler Ebene mitfinanziert und im Einzelfall auch Bistümer finanziell unterstützt, wenn dies nicht aus eigener Kraft möglich ist. Noch immer gilt ein Augenmerk auch Seelsorgern, die krank sind oder über eine zu kleine Pension verfügen, um würdig leben zu können.

Die Bettagskollekte

Neben der Epiphaniekollekte zu Beginn des Jahres, mit der drei Kirchenrenovationen unterstützt werden, und zwei weiteren Sammlungen im Frühling und Sommer zugunsten von weiteren Renovationsprojekten und der Vergabe von Darlehen ist für die Inländische Mission die Bettagskollekte von grosser Bedeutung. 2018 unterstützt die Inländische Mission damit 90 Projekte in der ganzen Schweiz.

In der Bettagsausgabe der Informationszeitschrift «IM-Info» werden einzelne Anlässe und Einrichtungen genauer vorgestellt und eine Übersicht über die insgesamt 90 unterstützten Seelsorgeprojekte gegeben. Hier sei besonders auf das am Bettagswochenende 2018 im Kloster Einsiedeln durchgeführte ökumenische Treffen «Gottwärts» und das bereits Mitte Juli erfolgreiche «Metanoia/Umkehr»-Festival bei Saint-Maurice hingewiesen. In Genf, wo keine Kirchensteuern eingezogen werden können, zeigt die Kirche mit einem Nähatelier Präsenz an den Rändern unserer Gesellschaft, wie dies Papst Franziskus immer wieder fordert. Das Projekt «Living stones», in dem junge Erwachsene Passanten gratis Kirchenführungen anbieten, wird über mehrere Jahre unterstützt, wie dies auch bei Projekten von Adoray oder Jungwacht Blauring der Fall ist.

Einzelne Bistümer in Geldsorgen

Nicht jedes Bistum hat genügend Mittel, um die eigenen Aufgaben zu finanzieren. So hilft die Inländische Mission dem Bistum Sitten in der Hoffnung, dass mittelfristig – gerade im Rahmen der laufenden Verfassungsrevision – Voraussetzungen geschaffen werden, dass auch Geld von den Pfarreien/Gemeinden zum Bistum fliesst. Sowohl im Bistum Sitten wie auch im Bistum Lausanne- Genf-Freiburg wird die Spezialseelsorge durch die Inländische Mission unterstützt.

Die Hilfe der Inländischen Mission geht heute nicht mehr in die ehemals katholischen Diasporagebiete der Deutschschweiz, wo heute dank der öffentlich-rechtlichen Anerkennung der römisch-katholischen Konfession und der wirtschaftlichen Prosperität genügend finanzielle Mittel vorhanden sind. In Berggebieten, in kleinen Kirchgemeinden/Pfarreien im Tessin, in der Westschweiz und zum Teil sogar im Mittelland sieht das aber anders aus. Sowohl die Epiphanie- wie auch die Bettagskollekte ermöglichen hier einen gewissen Ausgleich. Sie sind ein Zeichen gelebter Solidarität innerhalb der Schweiz, auch wenn die zum Teil sehr grossen Unterschiede, gerade was die Entlöhnung kirchlicher Angestellten betrifft, nicht behoben werden können.

Neue Datenbank für kirchliche Kulturgüter

Neben den Hilfen für Kirchenrenovationen und Seelsorgeprojekte bemüht sich die Inländische Mission auch um den Erhalt und die sinnvolle Verwendung von kirchlichen Kulturgütern. Für 2018 rief die Europäische Kommission das Jahr des Kulturerbes aus, das in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Kultur auch in der Schweiz mithilfe des Trägervereins «Kulturerbejahr 2018» durchgeführt wird. Die Inländischen Mission ist als einzige katholische Institution Mitglied dieses Schweizer Trägervereins. Mit dem Erhalt von Kirchen und kirchlichen Kulturgütern will die Inländische Mission unsere religiöse Kultur in der Schweiz bewahren und mithelfen, diese nachfolgenden Generationen weiterzugeben.

In Absprache mit der Schweizer Bischofskonferenz und anderen kirchlichen Institutionen baut sie eine Datenbank auf, die unter «www.im-mi.ch/kulturgueter» zugänglich ist. Darin sind liturgische Gegenstände, Bilder usw. verzeichnet, die von den bisherigen Eigentümern nicht mehr dem Zweck entsprechend eingesetzt werden können. Pfarreien, Kapellgemeinschaften und weitere kirchliche Institutionen sind eingeladen, diese Datenbank zu durchforsten und bei der Inländischen Mission ihr Interesse anzumelden, wenn solche religiöse Gegenstände benötigt und im Sinne der Kirche weiterverwendet werden können. Die IM-Geschäftsstelle prüft die Seriosität des Antragstellers und den geplanten Verwendungszweck; bei einer positiven Einschätzung werden die Koordinaten des Interessenten dem Eigentümer des gewünschten Objekts weitergegeben. Danach entscheidet der Eigentümer selbst, ob er das gewünschte Objekt dem Interessenten überlassen will. Die Inländische Mission will damit ermöglichen, dass religiöse Gegenstände auch weiterhin ihrem Zweck entsprechend benutzt werden, um zu verhindern, dass solche Objekte in den Antiquitätenhandel gelangen oder schlimmstenfalls im Müll landen.

Läuten für den Frieden

Im laufenden Kulturerbejahr 2018 sollen am Freitag, 21. September 2018, dem internationalen Friedenstag, zwischen 18 und 18.15 Uhr europaweit erstmals kirchliche und weltliche Glocken gemeinsam für den Weltfrieden erklingen. Der Schweizer Trägerverein «Kulturerbejahr 2018» hat die Inländische Mission angefragt, dieses Glockengeläut für die römisch-katholischen Pfarreien zu organisieren, was wir gerne tun. In Deutschland macht dies das Bonifatius-Werk, von dem die Inländische Mission das auf Schweizer Verhältnisse angepasste Impulsheft übernehmen darf. Alle Pfarreien und kirchlichen Gemeinschaften sind eingeladen, sich an diesem Glock- engeläut für den Frieden zu beteiligen und das Anliegen durch Gebet und Gottesdienst zu unterstützen. Mehr Informationen und ein digital ausfüllbares Anmeldeformular finden sich unter www.im-mi.ch/glockenlaeuten.

Geschäftsstelle neu in Zofingen

Da die Häuser in Zug mit den Büroräumlichkeiten der Inländischen Mission innen totalsaniert werden müssen, verlegte der Vorstand nach sorgfältiger Prüfung mehrerer Varianten die Geschäftsstelle in die Mitte der Schweiz, nämlich nach Zofingen. Der rechtliche Sitz des Hilfswerks bleibt weiterhin in Zug. Die Geschäftsstelle befindet sich neu in unmittelbarer Bahnhofsnähe in Zofingen; sie ist sowohl mit dem Auto wie auch mit der Bahn gut erreichbar. Sie verfügt neben den Büroräumlichkeiten für die Inländische Mission auch über ein grosses und kleines Sitzungszimmer, die kirchlichen Institutionen für Sitzungen, Schulungen und Anlässe gratis zur Verfügung gestellt werden.

Urban Fink-Wagner

 

IM – Inländische Mission
Geschäftsstelle Forstackerstrasse 1, 4800 Zofingen; Telefon 041 710 15 01; E-mail: info@im-mi.ch; www.im-mi.ch


Urban Fink-Wagner

Dr. theol. et lic. phil. Urban Fink-Wagner (Jg. 1961) studierte Geschichte, Philosophie, Theologie und Kirchenrecht in Freiburg i. Ü. und Rom. Er arbeitete als Sekretär von Weihbischof Dr. Peter Henrici sowie als Geschäftsführer einer NPO und war über viele Jahre Redaktionsleiter der SKZ. Seit 2016 ist er Geschäftsführer des katholischen Hilfswerks Inländische Mission.