500 Jahre Badener Disputation

Die Badener Disputation mit den zwei Kanzeln in der Darstellung der Reformationschronik von Heinrich Bullinger (1504–1575) im Kopienband von 1605/06.(Bild: Wikipedia)

 

Die Badener Disputation fand vom 21. Mai bis  8. Juni 1526 statt. Dabei diskutierten katholische Theologen unter Johannes Eck und Reformatoren unter Huldrych Zwingli, der aufgrund von Sicherheitsbedenken nicht persönlich anwesend war, darüber, welche Lehre denn die richtige christliche Lehre sei.

Die Politik spielte dabei eine sehr grosse Rolle. Es ging nämlich nicht nur um Religion, sondern auch um die Macht zwischen den Orten der Eidgenossenschaft. Dort gab es zwei Lager: Die katholischen Orte rund um Luzern, Uri und Schwyz und die reformierten Orte rund um Zürich. Die katholischen Orte organisierten die Disputation mit dem Ziel zu zeigen, dass die katholische Lehre richtig sei, um sich damit zu stärken und somit an Einfluss zu gewinnen.

Die Disputation führte aber nicht zu einem besseren Verständnis. Die katholischen Orte erklärten zwar Johannes Eck zum Sieger und wollten damit erreichen, dass die katholische Religion weiterhin die offizielle Religion bleiben sollte. Der politische Sieg stärkte indes die Teilung der Eidgenossenschaft in zwei Lager. Dies führte 1529 und 1531 zu den beiden Kappelerkriegen, eigentlichen Religionskriegen.

Religionskriege haben die Menschheit noch nie weitergebracht. Auch wenn die Toleranz unter Christen bis heute gewachsen ist, erleben wir gerade wieder Konflikte und Kriege, bei denen die religiöse Ausrichtung viel Leid, Tod und Gewalt verursacht. So bekämpfen sich seit geraumer Zeit Schiiten und Sunniten um die Vorherrschaft in der muslimischen Gemeinschaft. Der Iran mit seinen Religionsführern ist mehrheitlich schiitisch und hat ein furchtbares Gewaltregime aufgebaut. Ob sich der Krieg mit einer Disputation, mit Diplomatie und Gesprächen lösen lässt?

Gleichzeitig wurde bekannt, dass in unserer doch offenen Schweiz die Gehässigkeiten gegen Juden zunehmen, Antisemitismus wieder auflebt. Das muss uns zu denken geben. Wie konnte es so weit kommen? Auch bei uns im Jahre 2026 braucht es also wieder Disputation, Information, Zuhören, Austausch und ein friedliches Nebeneinander der Religionen. Wir sind und bleiben ein christlich geprägtes Land, und das ist gut so. Das aber schliesst nicht aus, dass wir im Dialog mit anderen leben können, integrativ und nicht ausschliessend wirken. 500 Jahre Disputation lehren uns, demütig zu sein und Spaltungen der Gesellschaft zu vermeiden.

Doris Leuthard* 

 

* Altbundesrätin Doris Leuthard (Jg. 1963) studierte Rechtswissenschaft und arbeitete als Rechtsanwältin. Sie war von 1999 bis 2006 Nationalrätin, von 2004 bis 2006 Parteipräsidentin der CVP und von 2006 bis 2018 Mitglied des Bundesrats. (Bild: Wikipedia)

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Editorial

Der Blick aus dem Fenster

Meist ist es noch dunkel, wenn ich morgens bei einer Tasse Kaffee den Tag beginne. Als erste tagesbestimmende Handlung checke ich die Wettervorhersage. Was früher nur einmal am Tag abends und relativ vage am TV im Anschluss an die Tagesschau gesendet wurde, hat sich, Technik in jedwelch gedachter Möglichkeit sei Dank, in einen ganzen Strauss an Wettervorhersagen ausgewachsen: Da gibt es das universelle Wetter, das meist sogar schon auf dem Tablet präsent ist, wenn es aufgestartet wird. Taugt sicher zur Grobübersicht. Dann haben wir das lokale Wetter, das sich über verschiedene Wetterkanäle individuell einrichten lässt. Für mich der zweite Anlaufpunkt. Weiter das Berg-, Wander- oder gar Skiwetter samt Lawinenbulletin. Falls denn solch eine Betätigung in Frage kommt. Sollte es um Wind gehen, gibt es auch dafür extra einen Wetterkanal, unterlegt mit farbig animierten Karten und wirklich blasendem Wind in Kringeln, Wellen und sogar bösartigen Spiralen samt Auge im Sturm. Noch immer ist es draussen dunkel. Nach der Konsultation der vielen Wetterkanäle und nachdem ich den neusten Bericht noch am Radio gehört habe, könnte ich mir eigentlich das Wetter jetzt aussuchen, derart verschieden sind die Vorhersagen. Nun, Schnee ist zumindest nirgendwo mehr angesagt. Und was ich genau heute auf mein Programm setze, wird ein Blick aus dem Fenster bestimmen.

Brigitte Burri