Umgang mit Personal- und Geldmangel

(Bild: Fredy Bihler)

 

Reduzieren und sparen – diese beiden Begriffe hört man im kirchlichen Kontext leider immer häufiger. Sie stehen sinnbildlich für Kirchenaustritte, den generellen Rückgang der Zahl der Katholikinnen und Katholiken sowie für die damit oft verbundenen sinkenden Einnahmen.

Zu den Finanzen der Kirchgemeinden im Kanton Graubünden ist folgendes Festzuhalten: Die katholischen Kirchgemeinden finanzieren sich grundsätzlich über die Steuereinnahmen der natürlichen Personen. Die Steuern der juristischen Personen werden vom Kanton Graubünden eingezogen und anschliessend – entsprechend dem Anteil der katholischen und evangelisch-reformierten Bevölkerung – an die beiden Landeskirchen verteilt.

Die Katholische Landeskirche Graubünden verwendet diese Einnahmen vor allem für Aufgaben, die allen Kirchgemeinden im Kanton zugutekommen. Dazu gehören die Fachbereiche, welche die Kirchgemeinden unter anderem in den Bereichen Religionsunterricht, Jugendarbeit, Diakonie und weiteren Themen unterstützen. Ebenso werden Baubeiträge an Kirchgemeinden, Fusionsbeiträge sowie jährlich Finanzausgleichbeiträge an die Kirchgemeinden finanziert. Darüber hinaus trägt die Landeskirche die Kosten für die Spezial- und Migrantenseelsorge im Kanton.

Aufgrund dieser Ausgangslage sind es derzeit vor allem die Kirchgemeinden und Pfarreien vor Ort, die am stärksten unter Kirchenaustritten und rückläufigen Steuereinnahmen leiden. Sie sind folglich auch diejenigen, die als Erste gezwungen sind, Angebote zu reduzieren und Sparmassnahmen umzusetzen. Häufig trifft der Rotstift dabei Dienstleistungen, Projekte und Angebote, die im Pfarreileben sehr geschätzt und gut genutzt werden.

Umso wichtiger erscheint es mir, das Engagement und Wirken der Kirche vor Ort sichtbarer zu machen. Ich betone immer wieder: Wo Kirchensteuergelder eingesetzt werden, muss dies auch nach aussen klar deklariert werden. Nur wenn es uns sowohl auf Ebene der Kirchgemeinden und Pfarreien als auch auf Ebene der Kantonalkirche gelingt, transparent und glaubwürdig aufzuzeigen, wofür diese Mittel verwendet werden, lassen sich Kirchensteuern langfristig legitimieren und rechtfertigen.

Abschliessend bringe ich einen Gedanken ein, der dazu anregen soll, bestehende Angebote und Strukturen kritisch zu überprüfen, bevor pauschal reduziert und gespart wird. Wo bestehen Angebote oder Strukturen, die überholt sind oder kaum noch nachgefragt werden? Stehen Aufwand und Ertrag unserer Aktivitäten noch in einem ausgewogenen Verhältnis?

Ich bin überzeugt: Wenn wir diese Überprüfung als dauerhafte Aufgabe verstehen und in unsere tägliche Arbeit integrieren, muss nicht zwingend reduziert und gespart werden. Im Gegenteil, es können neue, zeitgemässe Angebote entstehen und auch finanziert werden.

Thomas Bergamin*

 

* Thomas M. Bergamin (Jg. 1964) ist Präsident des Landeskirchenvorstands der Katholischen Landeskirche Graubünden.

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Editorial

Spare in der Zeit …

Gerade letzthin ist es mir wieder in die Hände gefallen: Das Goldvreneli, das ich zur Geburt von meiner Patin erhalten habe. Schwer wiegt es in der Hand, seidengelb schimmernd. Schon speziell, so ein richtiges Stück Gold! Sparen ist den Schweizern wichtig, wie die Kurzrecherche im Netz ergibt. Als Faustregel bewährt dabei: die Formel 50-30-20 (50% Fixkosten, 30% Wünsche, 20% Sparen). Wichtig sei zudem das Definieren von Sparzielen, und der Notgroschen sollte drei bis zwölf Monatsausgaben ausmachen. Für die Weltkriegsgeneration war Sparen eine Tugend. Das wurde mir als kleines Mädchen vorgelebt, und ich habe sicher nicht schlecht daran getan, mein Sparschwein selbst mit den kleinsten Münzen zu füllen. Was ein Fest, wenn es dann an Vaters Hand zur Bank ging und der Riesenhaufen Münz auf mein Sparbuch einbezahlt wurde. Das Sparbüchlein gibt es natürlich nicht mehr, das ist längst dem digitalen Sparkonto gewichen. Tempi passati? Meiner Meinung nach lohnt es sich auch heute, sein Sparschwein regelmässig zu füttern. Ob in baren Münzen oder lieber auf ein Sparkonto, ist dem Gusto jedes Einzelnen überlassen. Denn wer sich gegenüber finanziell Unvorhergesehenem wappnen will (z. B. eine höhere Zahnarztrechnung), tut gut daran, sich mit Zeit und Geduld ein monetäres Polster anzuhäufen. Je früher man damit beginnt, desto besser. Mein Goldvreneli erinnert mich aber auch an die geistliche Priorität des Sparens oder Sammelns, nämlich in Werte, die ewig Bestand haben: Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Glauben.

Brigitte Burri