Bündner Wirren (1618–1639)

Satirische Darstellung des Freistaates der Drei Bünde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, der als unpersönlicher, charakterloser Edelmann abgebildet wird und dessen Hände durch Bänder von drei Geldbeuteln – jene von Venedig, Frankreich und Spanien – gefesselt sind. (BAC.BA Bischöfliches Archiv Chur. Bildarchiv, Original im Rätischen Museum Chur)

 

Das Einbrechen europäischer Machtblöcke in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ins Passland der Drei Bünde (Gotteshausbund, Grauer/Oberer Bund und Zehngerichtenbund) und ihrer Untertanenlande (Chiavenna, Veltlin, Grafschaft Bormio) war geprägt von einer optimierten Kontrolle militärisch wichtiger Alpenübergänge und der Sicherstellung eines konfessionellen «cordon sanitaire» für den katholischen Süden. Dies zwang den Freistaat in der Zeit des Dreissigjährigen Krieges, von dem die damalige Eidgenossenschaft weitestgehend verschont geblieben war, zu einer gefährlichen Bündnispolitik mit den damaligen Grossmächten Spanien-Österreich einerseits und Frankreich-Venedig andererseits. Die beinahe uneingeschränkte Souveränität und Egalität der 48 Gerichtsgemeinden der Drei Bünde, das Emporwachsen lokaler aristokratischer Führungsschichten und einzelner korrupter Persönlichkeiten (wie eines Georg Jenatsch), das Fehlen einer eigentlichen Exekutive und einer allgemein verbindlichen Wehrordnung sowie die wirtschaftliche Abhängigkeit trugen wesentlich dazu bei, dass der rätische Staatenbund nie zu einer ausgereiften Neutralitätspolitik gelangte. Intern wüteten stark konfessionsorientierte Parteienkämpfe, welche eine dringend nötige innerkirchliche Erneuerung (mit Hilfe der Kapuziner) in den nach der Reformation in Bünden katholisch gebliebenen Gebieten erschwerten. Von aussen überrannten fremde Truppen das Land, die Verwüstung und Krankheiten mit sich brachten und der Bevölkerung schwer zusetzten.

Die noch 1518 von den Drei Bünden – Haupt des Gotteshausbundes war der Churer Bischof – durch ihre Siegel geschlossene Erbeinigung mit dem Hause Österreich (unter Kaiser Maximilian I.), welche grundsätzlich bis zum Mailänder Friedenskapitulat von 1639 geltende Rechtsgrundlage blieb, war nicht nur brüchig, sondern wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts mehrfach bewusst gebrochen. Dies führte in der Folge zu österreichisch-spanischen Invasionen (1620/1622/1629), verbunden mit zwar langfristig erfolglos gebliebenen Rekatholisierungsversuchen in Teilen Bündens (Prättigau), und französischen Gegenoffensiven (1624/1635). Bereits 1605 bezeichnete der venezianische Gesandte Giovanni Battista Padovino in einer Relation den Freistaat der Drei Bünde als «ein Schiff ohne Steuermann, allen Winden preisgegeben»; er sei ein «vielköpfiges Ungeheuer, unfähig, das Mittelmass zu üben», und trage über den Augen «die Binde der Leidenschaft, der Unwissenheit, der Habsucht und Hoffart».

Wo liegen die Gründe, welche einen Gesandten zu solchem Urteil kommen lassen? Und welches waren die Auswirkungen auf das Gebirgsland, in welchem unzählige Gemeinden seit Einbruch der Reformation (1524/26) bereits Jahrzehnte um den «rechten Glauben» rangen? Die Zeit der «Bündner Wirren» war eine äusserst turbulente Zeit zwischen Reformation und katholischer Erneuerung auf dem Gebiet des Bistums Chur in seinen historischen Grenzen.

Albert Fischer*

 

* Dr. theol. Albert Fischer (Jg. 1964) ist Diözesanarchivar des Bistums Chur und seit 2009 Mitglied des Churer Domkapitels. Seit 2014 ist er Dozent für Kirchengeschichte der frühen Neuzeit und Churer Diözesangeschichte an der Theologischen Hochschule Chur. Er ist Autor des 2017/2019 erschienenen zweibändigen Werkes «Das Bistum Chur».

Editorial

Die sieben Aufrechten

Winterzeit – Erkältungszeit. Oder doch nicht? Jedenfalls hat in unserer Familie noch kein einziges Mitglied ein hundskommunes Erkältungsvirus erwischt. Selbst die gefürchtete Grippe, dank der wir um diese Jahreszeit meist ausser Gefecht gesetzt zu Bette liegen, hat (noch) nicht zugeschlagen. Verscheucht von der Corona-Pandemie und deren Konsequenz «Maske auf!» sind sie wohl alle untergegangen, die «kommerziell interessanten» Neben-Viren, wie meine Apothekerin ausführt. Doch ich möchte mich wappnen und ein paar gute Tees im Haus haben, sollte dann doch so ein «Bürschtli» meine Atemwege besetzen. Und, oh Freude, es gibt einen ganzen Klostergarten voll davon von sieben Klosterbrüdern liebevoll zusammengestellt: Da wäre zum Beispiel Br. Gregorius mit dem klassischen Erkältungstee. Dann wartet Br. Cornelius mit einem Entspannungstee auf (etwa nach einem harten Arbeitstag). Br. Albertus stellt den Beruhigungstee, falls die Nerven gereizt sind, und Br. Benedictus hat einen Blasentee in petto. Ebenfalls in die Kategorie Erkältung fällt Br. Hieronymusʼ Brusttee (sehr grauslig zu Trinken) und danach gleich am besten den aufgewühlten «Gwärlig» mit dem Magen-/Darmtee von Br. Isidorius egalisieren. Am meisten aber spricht mich der Tee von Br. Laurentius an: der Leber-Galle-Tee. Er verspricht Entgiftung, und das wiederum tönt nach Frühling, auch wenn der noch in weiter Ferne scheint. Abwarten. Und Tee trinken ...
 

Brigitte Burri