Die Badener Disputation fand vom 21. Mai bis 8. Juni 1526 statt. Dabei diskutierten katholische Theologen unter Johannes Eck und Reformatoren unter Huldrych Zwingli, der aufgrund von Sicherheitsbedenken nicht persönlich anwesend war, darüber, welche Lehre denn die richtige christliche Lehre sei.
Die Politik spielte dabei eine sehr grosse Rolle. Es ging nämlich nicht nur um Religion, sondern auch um die Macht zwischen den Orten der Eidgenossenschaft. Dort gab es zwei Lager: Die katholischen Orte rund um Luzern, Uri und Schwyz und die reformierten Orte rund um Zürich. Die katholischen Orte organisierten die Disputation mit dem Ziel zu zeigen, dass die katholische Lehre richtig sei, um sich damit zu stärken und somit an Einfluss zu gewinnen.
Die Disputation führte aber nicht zu einem besseren Verständnis. Die katholischen Orte erklärten zwar Johannes Eck zum Sieger und wollten damit erreichen, dass die katholische Religion weiterhin die offizielle Religion bleiben sollte. Der politische Sieg stärkte indes die Teilung der Eidgenossenschaft in zwei Lager. Dies führte 1529 und 1531 zu den beiden Kappelerkriegen, eigentlichen Religionskriegen.
Religionskriege haben die Menschheit noch nie weitergebracht. Auch wenn die Toleranz unter Christen bis heute gewachsen ist, erleben wir gerade wieder Konflikte und Kriege, bei denen die religiöse Ausrichtung viel Leid, Tod und Gewalt verursacht. So bekämpfen sich seit geraumer Zeit Schiiten und Sunniten um die Vorherrschaft in der muslimischen Gemeinschaft. Der Iran mit seinen Religionsführern ist mehrheitlich schiitisch und hat ein furchtbares Gewaltregime aufgebaut. Ob sich der Krieg mit einer Disputation, mit Diplomatie und Gesprächen lösen lässt?
Gleichzeitig wurde bekannt, dass in unserer doch offenen Schweiz die Gehässigkeiten gegen Juden zunehmen, Antisemitismus wieder auflebt. Das muss uns zu denken geben. Wie konnte es so weit kommen? Auch bei uns im Jahre 2026 braucht es also wieder Disputation, Information, Zuhören, Austausch und ein friedliches Nebeneinander der Religionen. Wir sind und bleiben ein christlich geprägtes Land, und das ist gut so. Das aber schliesst nicht aus, dass wir im Dialog mit anderen leben können, integrativ und nicht ausschliessend wirken. 500 Jahre Disputation lehren uns, demütig zu sein und Spaltungen der Gesellschaft zu vermeiden.
Doris Leuthard*
