Der grosse Wandel

Die ökumenische Kampagne 2018 steht im Zeichen des Wandels. (Bild: Fastenopfer)

Werde Teil des Wandels! Wir alle sorgen uns um die Entwicklungen in der Welt: Politische Spannungen, Ungleichheit und Klimakrise haben sich weiter verschärft. Am stärksten leiden darunter die Menschen, die ohnehin schon wenig haben. Deshalb brauchen wir einen grossen Wandel, eine grosse Transformation oder Transition. Viele Menschen in der Schweiz und weltweit sind sich dessen bewusst. Sie alle und auch die christlichen Werke Fastenopfer, Brot für alle und Partner sein sind überzeugt: Eine wirkliche Verbesserung der menschenunwürdigen Situation in armen Ländern ist nur möglich, wenn auch wir uns verändern. Es muss eine «mutige kulturelle Revolution» geschehen, wie Papst Franziskus es in seiner Enzyklika «Laudato si’» ausdrückt. Seine Botschaft ist in der Zivilgesellschaft weit über kirchliche Kreise hinaus auf offene Ohren gestossen. Viele sind davon inspiriert und beglückt, wie es dem Papst gelingt, die Soziallehre der Kirche durch diese Enzyklika fortzuschreiben.

Für den dringend nötigen äusseren Wandel tut auch ein innerer Wandel Not, wenn ersterer zu nachhaltigen Veränderungen führen soll. Bei dem inneren Wandel geht es um das Wiedererlangen der inneren Einheit von Mensch und Natur, um individuelle und gemeinschaftliche Heilung von Zerrissenheit und Verwundungen. Dazu können auch die Kirchen einen wichtigen Beitrag leisten. Die ökumenische Kampagne «sehen-und-handeln.ch» schlägt für diesen Weg praktische Übungen aus der Tiefenökologie und Ökospiritualität vor, die auch Pfarreigruppen dabei unterstützen, dass der geforderte Wandel nicht rein äusserlich bleibt. Denn wir kennen es aus unserer eigenen Erfahrung: Jedes Jahr fassen wir neue Vorsätze und meistens sind wir früher, als uns lieb ist, wieder auf dem alten Gleis. Der geforderte Wandel bekommt eine ganz andere Kraft, wenn er aus dem inneren Bewusstsein des Einzelnen und der Gemeinschaft heraus geschieht.

Das visuelle Motiv der diesjährigen Kampagne möchte dazu einladen, dass viele Einzelne sich auf den Weg machen und zu einer Bewegung werden, die sich für eine Welt einsetzt, in der alle genug zum Leben haben.


Daniel Wiederkehr, Fastenopfer

Editorial

Neue Lebensstile

Der weltweite Ressourcenverbrauch hat sich
seit 1970 verdreifacht. Würde die ganze
Menschheit so viel an Ressourcen verbrauchen
wie der durchschnittliche US-Amerikaner,
bräuchten wir fünf Erden, um den
Bedarf zu decken. Angesichts dieses hohen
Ressourcenverbrauchs sind neue ökonomische
Ansätze dringend gefragt. Ist die
Kreislaufwirtschaft diesbezüglich ein erfolgversprechendes
Modell? Ziel dieses Wirtschaftsmodell
ist es, die Produktion und die
Entsorgung der Produkte noch stärker als
bisher in einen Kreislauf zu überführen, um
so die begrenzten natürlichen Ressourcen zu
schonen und für zukünftige Generationen
zu erhalten. Nun, in der Schweiz ist die
Recyclingquote seit 1970 zwar um das
Zwölffache gestiegen, aber die nicht wiederverwertbaren
Siedlungsabfälle sind seit
1990 aufgrund des höheren Konsums nicht
gesunken. Im Blick auf die Konsumenten
gilt es, so eine Empfehlung, die der Broschüre
«Kreislaufwirtschaft» der SATW
zu entnehmen ist, einen Umdenkprozess
hinsichtlich der Lebensstile zu initiieren.
Dabei fällt das Stichwort «Genügsamkeit».
Aber wie verträgt sich die Genügsamkeit der
Konsumenten mit einer gewinnorientierten
Wirtschaft? Dazu mehr in dieser Ausgabe.
Umdenkprozesse, neue Lebensstile und
andere ökonomische Modelle sind das Gebot
der Stunde. Das Fastenopfer thematisiert
den grossen, dringend notwendigen Wandel,
um ökologisch nachhaltig und sozial
und kulturell sorgsam zu leben, damit alle
Menschen ein Leben in Fülle haben.

Maria Hässig