Weiter auf dem Weg der Synodalität

Die Peterskuppel im Vatikan. (Bild: Fredy Bihler)

 

Der Weg zur Synodalität in der Weltkirche führte auch über ein Treffen internationaler Synodengruppen im Oktober 2025 in Rom. Die drei Tage standen im Zeichen von Austausch, Vernetzung und Lernen voneinander. Synodal engagierte Menschen, Kleriker und Laien, haben über ihre Erfahrungen bei der Umsetzung der synodalen Prozesse in den Pfarreien, Bistümern und Ländern gesprochen. Dieser Austausch war inspirierend, stärkend und motivierend, auch für die Schweizer Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Sie, wir konnten eine Weltkirche erfahren, die offen, spirituell und mutig neue Wege geht, trotz vieler Herausforderungen.

Auch umstrittene Themen wurden vielfach benannt. Papst Leo beantwortete bei der Audienz selbst kritische Fragen, wie die der europäischen Synodenteams nach der Hoffnung für die Frauen, sehr offen – die Türen zu einer Weiterarbeit auch an diesem umstrittenen Thema des Schlussdokuments sind bei ihm nicht verschlossen. Er stellte fest, dass viele Möglichkeiten für die Mitwirkung der Frauen selbst gemäss Kirchenrecht noch gar nicht ausgeschöpft werden. Auch in der Schweiz gibt es da in allen Diözesen wohl noch «Luft nach oben».

Was in Rom auch klar wurde: Der synodale Prozess ist in vielen Ortskirchen auf der Welt in vollem Gang. In den Philippinen schulte ein nationales Team den Klerus zum Prozess und dem Schlussdokument der Synode. In Asien organisierten die Bischofskonferenzen besonders für Neubischöfe einen Workshop zum Schlussdokument. In Lateinamerika und in den USA gibt es Online-Kurse zu den Themen des Schlussdokuments. Auch in Afrika trafen sich Theologinnen zum Thema Synodalität. Und in Europa gibt es in England, Holland und Österreich «Schulen der Synodalität» auf universitärer Ebene. Alle diese Initiativen zeigen, dass die synodale Transformation der Kirche vorangeht, trotz Gegenwind von konservativer Seite.

Und in der Schweiz? Hier arbeitet eine breit zusammengesetzte Synodalitätskommission seit September 2024 an der Ausarbeitung und Erprobung synodaler Instrumente und Wege für die Schweizer Kirche, auf der Grundlage des Schweizer Synodenberichts von 2022 und dem Schlussdokument der Synode. Dabei gilt es, die Spannungen auszuhalten, die sich teilweise auch aus der Vielfalt in den Regionen und Kontexten der Kirche in der Schweiz ergeben. Es braucht einen langen Atem, Geduld und das Vertrauen in das Wirken des Heiligen Geistes.

Dass dieser Geist tatsächlich wirkt, haben die Schweizer Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Herbst in Rom eindrucksvoll erfahren.

Iva Boutellier* und Helena Jeppesen-Spuhler**

 

* Iva Boutellier (Jg. 1958) ist Theologin und Vorstandsmitglied im Frauenbund Schweiz und dessen Vertreterin in der Synodalitätskommission. Seit dem 1. Januar ist sie auch Mitglied des Präsidiums der Synodalitätskommission.

** Helena Jeppesen-Spuhler (Jg. 1966) arbeitet seit mehr als 20 Jahren in verschiedenen Funktionen bei Fastenaktion. Sie ist Mitglied der Synodalitätskommission.

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Editorial

Geschichte live erleben

Beim nun (schon mehrmals) verhandelten Thema dieser Ausgabe würde ich gerne mal (als in Science-Fiction Geübter) Zeitreisen machen. Eine erste Reise nach Jerusalem an das sogenannte «Apostelkonzil» der Urgemeinde. Dort möchte ich zuhören, wie heftig denn dieser Streit war, der da ausbrach (Apg 15,7), wer von Jesu Jüngern welche Argumente anführte und insbesondere welchen Stellenwert die Mutterreligion Judentum in dieser Diskussion hatte. Eine nächste Reise würde dann ganz sicher ins Jahr 325 nach Nizäa an das dortige Konzil führen. Ich möchte verstehen, aufgrund welcher Argumente und auch Befürchtungen es zur christologischen Lehre kam, die alle Kirchen bis heute verbindet. Waren sich die Väter dieses Konzils überhaupt bewusst, was sie da formulierten? Die dritte Reise würde dann ins Jahr 1139 zum Zweiten Laterankonzil führen. Ich würde die Ohren ganz genau spitzen, um zu verstehen, welche Argumente zum Pflichtzölibat der Weltkleriker führten und ob es wirklich stimmt, dass auch plump materielle Gründe eine Rolle spielten. Und die vierte und letzte Reise würde dann 1870 in den heissen römischen Sommer führen. Gerne würde ich dem St. Galler Bischof Carl Johann Greith über die Schulter schauen, wie er seine Erklärung verfasste, dass er genötigt sei, die Heilige Stadt vor der Abstimmung über das Dogma zur Unfehlbarkeit zu verlassen.

Heinz Angehrn