Zurück zur Erwachsenentaufe?

Erwachsenentaufe mit Abt Urban Federer in der Osternacht im Kloster Einsiedeln. (Bild: Jean-Marie Duvoisin)

 

1247) Seit den Ursprüngen der Kirche ist dort, wo das Evangelium erst seit Kurzem verkündet wird, die Erwachsenentaufe am häufigsten. Der Katechumenat nimmt dann einen wichtigen Platz ein. Als Einführung in den Glauben und das christliche Leben soll er darauf vorbereiten, in der Taufe, der Firmung und der Eucharistie die Gabe Gottes in sich aufzunehmen.

1248) Durch diese Zeit der Vorbereitung soll es den Katechumenen ermöglicht werden, auf das göttliche Heilsangebot zu antworten und in Einheit mit einer kirchlichen Gemeinschaft ihre Bekehrung und ihren Glauben zur Reife zu bringen. Es handelt sich um eine «Einführung und ... Einübung im ganzen christlichen Leben, wodurch die Jünger mit Christus, ihrem Meister, verbunden werden. Die Katechumenen müssen also [...] in das Geheimnis des Heils eingeweiht werden; durch die Übung eines Lebenswandels nach dem Evangelium und durch eine Folge von heiligen Riten soll man sie stufenweise in das Leben des Glaubens, der Liturgie und der liebenden Gemeinschaft des Gottesvolkes einführen.»
1249) Die Katechumenen «sind schon mit der Kirche verbunden, sie gehören schon zum Hause Christi, und nicht selten führen sie schon ein Leben des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.» «Die Mutter Kirche umfasst sie schon in Liebe und Sorge als die Ihrigen.» 

1250) Da die Kinder mit einer gefallenen und durch die Erbsünde befleckten Menschennatur zur Welt kommen, bedürfen auch sie der Wiedergeburt in der Taufe, um von der Macht der Finsternis befreit und in das Reich der Freiheit der Kinder Gottes versetzt zu werden, zu der alle Menschen berufen sind. Dass die Heilsgnade ganz ungeschuldet ist, tritt in der Kindertaufe besonders klar zutage. Die Kirche und die Eltern würden dem Kind die unschätzbare Gnade vorenthalten, Kind Gottes zu werden, wenn sie ihm nicht schon bald nach der Geburt die Taufe gewährten. 

1251) Die christlichen Eltern sollen erkennen, dass dieser Brauch ihrem Auftrag entspricht, das Leben, das Gott ihnen anvertraut hat, zu fördern. 

1252) Es ist eine uralte Tradition der Kirche, schon die kleinen Kinder zu taufen. Dies wird seit dem 2. Jahrhundert ausdrücklich bezeugt. Möglicherweise wurden schon zu Beginn der Predigttätigkeit der Apostel, als ganze «Häuser» die Taufe empfingen auch die Kinder getauft.

 

Quelle: Katechismus der katholischen Kirche, Absätze 1247–1252 (ohne Verweise).

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Editorial

Vor langer Zeit

Meine Taufe fand am 12. August 1955 statt, nur gerade einen halben Tag nach meiner Geburt. Ort war die kleine Kapelle der katholischen Geburtsklinik Notkerianum im Osten der Stadt St. Gallen, anwesend war neben dem Priester und der Taufpatin niemand. Denn es musste schnell getauft werden, bei der Geburt war nicht alles perfekt verlaufen. Die Mutter lag noch im Wochenbett, der Vater und der Taufpate waren beruflich verhindert. So gibt es keine Fotos von diesem Anlass, die ältesten Bilder, die ich kenne, zeigen die kleine Familie bereits wieder zu Hause. Eine alte vergangene Zeit und doch erst 70 Jahre her: Noch war Pius XII. Papst, von einem Konzil war noch nicht die Rede, von einer erneuerten Liturgie in der Muttersprache schon gar nicht. Und Geburt und Taufe waren theologisch eine zwingende Notwendigkeit, es ging um das Seelenheil des Neugeborenen und damit auch um das seiner Eltern. Dass der zuverlässige Frauenarzt, der uns damals quasi über die Runden gebracht hatte, orthodoxer Jude war, ist eine weitere seltsame historische Anekdote. Ich ging später mit seinem Sohn in die Primarschule – wir waren die beiden unsportlichen Eulen der Klasse – und bei ihm zu Hause sah ich erstmals jüdische Symbolik. Im Spannungsfeld dieser Erinnerungen bewegt sich das Thema dieser Ausgabe.

Heinz Angehrn