«Lieben wir Gott, meine Brüder, lieben wir Gott, aber auf Kosten unserer Arme und im Schweiße unseres Angesichts! Denn oft sind Akte der Liebe zu Gott und ähnliche Regungen und innere Übungen eines zartbesaiteten Herzens, so gut und wünschenswert sie an sich sind, doch höchst verdächtig, wenn sie sich nicht in Taten auswirken. Dadurch, dass ihr reiche Frucht tragt, sagt Unser Herr, wird mein Vater verherrlicht (Joh 15,8). Darauf müssen wir ganz besonders achten; denn es gibt mehr als genug solcher Menschen, die meinen, es sei damit getan, sich äußerlich korrekt zu verhalten und im Innern erhabene Gefühle zu Gott zu pflegen. Wenn es aber dann auf Taten ankommt und Gelegenheit zum Handeln da ist, dann versagen sie. Nein, täuschen wir uns nicht: Totum opus nostrum in operatione consistit – unsere ganze Aufgabe besteht im Handeln […] Nichts entspricht dem Evangelium mehr, als einerseits in der Betrachtung, in der Lesung und in der Einsamkeit Licht und Kraft für die Seele zu sammeln, und andererseits zu den Menschen zu gehen und sie an dieser geistlichen Nahrung teilhaben zu lassen. Das heißt handeln, wie Unser Herr getan hat und nach ihm seine Apostel; das heißt, den Dienst der Martha mit dem der Maria verbinden; das heißt, die Taube nachahmen, die die Hälfte der Nahrung zu sich nimmt und den Rest mit ihrem Schnabel in den der Jungen steckt, um sie zu ernähren. So müssen wir handeln. So müssen wir Gott durch unsere Werke bekunden, dass wir ihn lieben.»
Vinzenz von Paul
