«Ein Liebhaber des Friedens»

Das ist Bruder Klaus. Vom 2. bis 4. Juni waren Menschen mit ihm unterwegs für den Frieden.1 Sie pilgerten von Freiburg i. Ü. nach Röthenbach i. E. Bruder-Klausen-Kaplan Ernst Fuchs war dabei. Mit ihm sprach die SKZ.

Auf der Etappe Schwarzenburg–Thun weiss Ernst Fuchs (ganz rechts) immer wieder durch interessante Inputs zu begeistern. (Bild: https://bruderklaus.com)

 

SKZ: Kaplan Fuchs, weshalb starteten Sie in Freiburg i. Ü.?
Ernst Fuchs: Das Stanser Verkommnis von 1481 löste den inneren Konflikt zwischen den Land- und Stadtorten in der damaligen achtörtigen Eidgenossenschaft. Dass der Konflikt friedlich gelöst werden konnte, verdanken wir Bruder Klaus. In der Folge wurden Freiburg und Solothurn in den Bund der Eidgenossen aufgenommen. Aus diesem Grund starteten wir in Freiburg. Ein anderer Grund liegt darin, dass der Förderverein Niklaus von Flüe und Dorothee Wyss2 die Botschaft des Bruder Klaus in die Regionen hinaustragen, vor Ort Begegnungen ermöglichen und von da aus zum Ranft unterwegs sein will. 

Was war für Sie eindrücklich?
Ich war überrascht, wie präsent und verankert Bruder Klaus in Freiburg ist. Das zeigte sich schon einige Tage vor der Pilgerwanderung bei der Stadtführung «Sur les traces de Nicolas de Flue» und den anschliessenden politischen Gedanken im Freiburger Rathaus. Über fünfzig Menschen haben dabei viel Überraschendes gehört und entdeckt. Während der Pilgertage war es für mich und die ganze Pilgergruppe eindrücklich zu erleben, wie sich der Sakralraum wandelt. Sahen wir im Kanton Freiburg noch viele Kapellen, Kirchen und Kreuze am Wegrand, verschwanden diese, sobald wir im Kanton Bern unterwegs waren. 

«Unterwegs für den Frieden» geht weiter. 
Ja, ursprünglich war geplant, von Solothurn wieder ins Emmental zu pilgern und von da im dritten Jahr in den Ranft. Nach den Erfahrungen in diesem Jahr sind wir offen für alternative Pilgerwege. Sicher ist: Solothurn wird entweder der Start- oder der Endpunkt der Pilgerwanderung sein.3  

Wie kam es zu diesem Pilgerprojekt?
Die Friedensbotschaft des Bruder Klaus steht für drei Jahre im Zentrum der Arbeit des Fördervereins. Er führt deshalb Veranstaltungen zum Thema «Frieden – Arbeit und Geschenk» durch. Aktivitäten zur Friedensbotschaft des hl. Bruder Klaus haben aber eine lange Tradition. Seit Jahren brennt das Friedenslicht über das ganze Jahr im Ranft. Im November finden von Montag bis Freitag abends Friedensgebete im Ranft statt. Das Gebet für den Frieden gehört auch bei der wöchentlichen Pilgermesse in der Wallfahrtskirche Sachseln immer dazu. Am 22. Dezember – am Gedenktag des Stanser Verkommnisses – gibt es die Friedenswanderung von Stans in den Ranft. 

Worin sehen Sie die Aktualität seiner Friedensbotschaft?
Bruder Klaus war ein Liebhaber des Friedens. Vor allem diese Sätze aus dem Brief an die Berner sind recht bekannt: «Gehorsam ist die grösste Ehre. Darum sollt Ihr darauf achten, dass Ihr aufeinander hört. Friede ist immer in Gott, denn Gott ist der Friede. Darum sollt Ihr darauf bedacht sein, dass Ihr immer den Frieden im Auge behaltet.» Im Spätmittelalter meinte Gehorsam vor allem Gehorsam gegenüber der Obrigkeit. Für Bruder Klaus bedeutete Gehorsam aber, aufeinander zu hören. Er motiviert, in Konflikten alle Seiten anzuhören, die Anliegen aller Parteien zu sehen. Er selbst hat es so gehandhabt. Es war ihm ein Anliegen, dass «seine Worte zu Frieden führen» (Brief an Konstanz). Deshalb konnte er vermitteln. Ich finde, diese Haltung ist gefragter denn je. 
 
Was wünschen Sie sich für das kommende «Unterwegs für den Frieden»?
Ich wünsche mir mehr Begegnungen mit Menschen vor Ort, wo wir auf dem Pilgerweg hinkommen. Ausser in Freiburg und Thun gab es wenig Kontakte. In Thun nahmen wir am Vorabendgottesdienst teil. Nach dem Gottesdienst gab es Raum für Begegnungen und Gespräche. Wir brauchen vor Ort Menschen, die unser Anliegen teilen und bereit sind, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen und/oder mit Menschen aus der Pfarrei einen Tag für den Frieden – mit dem Fernziel Ranft – mitzupilgern. 

Interview: Maria Hässig

 

1 Bericht zur Pilgerwanderung: https://bruderklaus.com/unterwegs-fuer-den-frieden-projektstart-geglueckt

2 Informationen zum Förderverein: https://bruderklaus.com/foerderverein-netzwerk/foerderverein

3 Die Pilgerwanderung 2024 findet vom 24. bis 26. Mai statt. Info: https://bruderklaus.com