SKZ: Frau Jeppesen, Sie werden an der Bischofssynode vom Oktober teilnehmen. Die Vorbereitungskommission veröffentlichte am 29. Mai 2023 das Instrumentum laboris (IL). Wie bereiten Sie sich auf die Synode vor?
Helena Jeppesen-Spuhler*: Lesen und Kontakte aufnehmen sind für mich eine gute Vorbereitung. Auch bei der Vorbereitung auf die synodale Versammlung in Prag hat sich dies bewährt. Als eine der zehn europäischen nicht bischöflichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Stimmrecht fühle ich mich den Themen im europäischen Bericht verpflichtet und besonders auch unserer Kirchenerfahrung in der Schweiz. Ich schaue mir die Berichte der Netzwerke katholischer Organisationen in Europa an: CIDSE (katholische Hilfswerke), die Jugendverbände im deutschsprachigen Raum, Andante (katholische Frauenverbände), Justitia und Pax Europa und die katholischen Universitäten haben in Prag interessante Beiträge eingebracht. Für die deutschsprachigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Synode haben Bischof Felix Gmür und ich zwei Online-Treffen organisiert, damit wir uns kennenlernen und zum Vorbereitungsdokument der Synode, dem Instrumentum laboris, austauschen können. Ausserdem habe ich mit ganz unterschiedlichen Gruppierungen aus verschiedenen Ländern gesprochen. Aus Polen hat mich zum Beispiel eine Gruppe katholischer Akademiker und Ordensleute zum Austausch eingeladen, die darunter leiden, dass sie vom synodalen Prozess ausgeschlossen werden. Sehr eindrücklich war auch ein Gespräch mit dem italienischen «Rete Sinodale», zu dem neben anderen Gruppierungen 200 Väter und Mütter gehören, die sich für die Inklusion ihrer queeren Söhne und Töchter in der katholischen Kirche einsetzen.
Das Instrumentum laboris sieht «das Gespräch im Geist» als einen zukunftsweisenden Weg für eine synodale Kirche (IL A2) und es wird an der Bischofssynode praktiziert. Wie sieht ein solches Gespräch im Geist konkret aus?
Methodisch heisst «Gespräch im Geist», dass nicht nur inhaltlich debattiert, sondern miteinander auch immer wieder die Stille gesucht wird und nachgespürt werden soll, was die Diskussion in der Gruppe und in den Einzelnen auslöst.
Was schätzen Sie an diesem Vorgehen?
Diese Sorgfalt im gemeinsamen Gespräch hat eine sehr positive Wirkung auf die Gruppe und die Resultate einer Gruppenarbeit. Da ich seit vielen Jahren ignatianische Kontemplation praktiziere, bin ich mit dieser Herangehensweise an Themen und Fragen und der Kraft der Stille vertraut. In Prag habe ich aber auch eine negative Erfahrung gemacht. Da war ich in einer Arbeitsgruppe mit einer Moderation, die nicht genügend in die Methode eingeführt war und dazu neigte, mit der Methode das Gespräch zu manipulieren. Es wird also sehr darauf ankommen, wer während der Synode die Arbeitsgruppen moderieren wird und wie vertraut diese Personen mit der Methode sind.
Wo sehen Sie Möglichkeiten in der Pfarrei, dieses «Gespräch im Geist» zu initiieren und zu pflegen?
In vielen Pfarreien werden diese oder ähnliche Methoden bereits angewandt. Wer zu Beginn von Sitzungen oder Arbeitstagen meditiert oder eine der zahlreichen Bibellesemethoden praktiziert, stellt die Arbeit auch bewusst mit der Erfahrung des Glaubens in Verbindung. Das «Gespräch im Geist», das aus der ignatianischen Spiritualität kommt, kann als zusätzliche Herangehensweise an wichtige Themen und Entscheidungen ein weiterer wertvoller Impuls sein für die Arbeit in der Kirche. Angewandt in verschiedenen Kulturen und Ländern kann das Gespräch im Geist dann auch unterschiedlich aussehen.
Der synodale Prozess trägt im Untertitel die Begriffe Gemeinschaft – Teilhabe – Sendung. Weshalb bringt die Vorbereitungskommission im IL die Begriffe in geänderter Reihenfolge Gemeinschaft – Sendung – Teilhabe?
Diese Änderung begrüsse ich sehr, denn sie unterstreicht die Wichtigkeit des Auftrags, der Mission der Kirche und gibt ihr in der Synode mehr Gewicht. Beim synodalen Prozess geht es prioritär um eine Umkehr hin zu einer Kirche, die ihren Auftrag für die Welt und unseren Planeten glaubwürdiger wahrnehmen kann.
Zu den Themen Gemeinschaft – Sendung – Teilhabe gibt es im IL umfangreiches Material und viele Fragen. Haben Sie die Möglichkeit auszuwählen, wo Sie sich vertiefen und einbringen wollen? Und wenn ja, was sind Ihre Themen?
Für die Einteilung in die Arbeitsgruppen habe ich beim Themenblock B1 «Gemeinschaft» das Thema «Einsatz für Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Sorge um das gemeinsame Haus» und «Reichtum der Kulturen und Dialog mit den Religionen» ausgewählt, beim Themenblock B2 «Gemeinsame Verantwortung in der Sendung» das Thema «Stärkere Anerkennung und Förderung der Taufwürde von Frauen» und beim Themenblock 3 «Teilhabe, Verantwortung und Autorität» die Schwerpunkte «Dienste» und «Strukturen» in einer synodalen Kirche.
Unter B1.2 wiedergibt das IL eine Vielfalt von Bildern für eine einladende und gastfreundliche Kirche. Was für ein Bild haben Sie?
Meine Arbeit für Fastenaktion in den Philippinen und in Laos haben mich geprägt, weshalb mir das Bild des Menschen, der sich aus Respekt die Schuhe abstreift, bevor er oder sie über die Schwelle eines Hauses tritt, sehr nahe ist. Damit verbunden ist in Asien der Gedanke, dass wir in jedem Haus Gott begegnen.
Die Bischofssynode ist auf zwei Sessionen aufgeteilt. Im Oktober 2024 wird die Bischofssynode fortgeführt werden. Was ist das vorrangige Ziel der diesjährigen Synode?
Die Synode 2023 wird entlang dem Arbeitsdokument wichtige Themen für die Weltkirche und die Ortskirchen diskutieren und am Schluss ein Synthesedokument erstellen, zu dessen Abschnitten wir abstimmen werden. So habe ich die bisherigen Informationen zur Synode verstanden.
Wissen Sie wie der synodale Prozess nach Oktober 2023 bis Oktober 2024 aussehen wird?
In der Phase zwischen Oktober 2023 und Oktober 2024 werden diese priorisierten Themen genauer ausgearbeitet. Die gut besetzte theologische Kommission der Synode könnte da Vorschläge erarbeiten. Zum Beispiel, welche Fragen in Zukunft auf der Ebene der Ortskirche entschieden werden könnten oder wie die Gläubigen in einer synodal gestalteten Kirche in Entscheide auf Pfarrei-, Bistums- und weltkirchlicher Ebene einbezogen werden müssen. Zur Phase zwischen den beiden Synodenversammlungen werden bestimmt auch wieder Konsultationen gehören, um die Zirkularität des Prozesses beizubehalten. Bestimmte Fragen werden wohl wieder in die Bistümer und die Bischofskonferenzen kommen.
Wenn Sie auf die kommende Zeit in Rom blicken, worauf freuen Sie sich?
Der Austausch mit Delegierten aus allen Kontinenten wird für mich sehr lehrreich sein. Dass mein Mann auch nach Rom kommen wird und mein neunjähriges Patenkind mit seiner Familie auch ein paar Tage bei uns sein werden, ist mir eine grosse Freude und Unterstützung. Immer wenn ich meine Patenkinder sehe, meine jugendlichen Nichten und Neffen, wird mir klar und bewusst, wieso ich mich einsetze beim synodalen Prozess: dass junge Menschen einen Zugang zur katholischen Kirche finden, da Gemeinschaft erleben können und im Sinne von «Laudato si'» unser Planet eine Zukunft hat. Darum geht es im synodalen Prozess und im Oktober in Rom.
Interview: Maria Hässig