Mitfinanzierung gesamtschweizerischer Aufgaben als Grossbaustelle

An der letzten Plenarversammlung der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ ) vom 30. November/1. Dezember 2012 in Zürich standen die Beschlüsse für die Beiträge an gesamtschweizerische und sprachregionale Aufgaben der Kirche im Zentrum. Die Delegierten bewilligten Mittel von insgesamt 9,1 Millionen Franken. Die RKZ steuert dazu 6,9 Millionen bei, das Fastenopfer 1,9 Millionen. Zusätzlich löst die RKZ Reserven in der Höhe von rund 300 000 Franken auf. Diese Beiträge gehen an 47 Institutionen, die Beiträge in unterschiedlichster Höhe erhalten, beträgt der grösste doch 2,1 Millionen Franken (für die SBK ), der kleinste lediglich 6000 Franken (für die Bibelpastoral in der italienischen Schweiz).

Neuausrichtung der Bildungs- und Medienarbeit

Im Vorfeld dieser Finanzbeschlüsse befassten sich die Vertreter der kantonalkirchlichen Organisationen mit zwei Projekten, welche die Neuausrichtung der Bildungsangebote und der kirchlichen Medienarbeit bezwecken. Beide Vorhaben wurden von der Paritätischen Planungs- und Finanzierungskommission (PPFK) in Auftrag gegeben. In diesem Gremium koordinieren Bischofskonferenz, Fastenopfer und RKZ die Bemühungen um eine Organisation und Finanzierung der überkantonalen und überdiözesanen Aufgaben der Kirche. Ziel ist ein an den zentralen pastoralen Herausforderungen orientierter, effektiver und zugleich effizienter Einsatz der bereitgestellten Gelder. Als drittes Veränderungsprojekt kam auch die Reorganisation des Sekretariates und der Kommissionen der Bischofskonferenz zur Sprache.

Die Mitfinanzierung – eine Grossbaustelle unter Spardruck

Gemessen an den für die jeweiligen Institutionen bereit gestellten Finanzen sind somit rund 80 Prozent des Mitfinanzierungssystems von Reorganisationsprojekten betroffen. Verbunden mit der Ungewissheit bezüglich der finanziellen Gesamtentwicklung führt dies zu einer sehr anspruchsvollen Ausgangslage für die Arbeit der zuständigen Gremien, aber auch zu spürbaren Verunsicherungen bei den mitfinanzierten Institutionen. Denn die Veränderungsprojekte und die gesamte Mitfinanzierung stehen unter erheblichem Spardruck. Bis Ende 2014 müssen die wiederkehrenden Beiträge im Vergleich mit dem Jahr 2012 um insgesamt 800 000 Franken gekürzt werden. Das hat zur Folge, dass Sparmassnahmen bereits zu einem Zeitpunkt eingeleitet werden müssen, an dem die Ergebnisse der Reorganisationsprojekte sich erst in Umrissen abzeichnen. Konzeptionelle und finanzielle Entwicklungen so gut wie möglich aufeinander abzustimmen, wird eine grosse Herausforderung sein – und kann nur gelingen, wenn auch die betroffenen Institutionen sich der Dringlichkeit der erforderlichen Veränderungen stellen und sich an der Erarbeitung und Umsetzung zukunftsweisender und nachhaltig finanzierbarer Lösungen beteiligen.

Aufruf zu mehr Solidarität

Zum dritten Mal in Folge erliess die PPFK angesichts des Spardrucks auf gesamtschweizerischer Ebene einen Aufruf zu mehr Solidarität [veröffentlicht in: SKZ 180 [2012], Nr. 51–52, 839 f.]. Kirchgemeinden und kantonalkirchliche Organisationen, deren Jahresrechnungen Ertragsüberschüsse ausweisen, werden gebeten, davon 2 Prozent für die gesamtschweizerische Ebene bereitzustellen. Der entsprechende Aufruf ergab 2011 zusätzliche Mittel von 203 000 Franken, 2012 den Betrag von 180 000 Franken. Diese Gelder sollen nicht unvermeidliche Abschiede verzögern, sondern zukunftsweisende Vorhaben ermöglichen und Härtefälle abfedern. Der Präsident der RKZ , Hans Wüst, dankte allen, die diese Beiträge bereitgestellt haben und rief dazu auf, dem Aufruf auch im kommenden Jahr Folge zu leisten.

50 Jahre Konzil …

Am Vorabend befasste sich die RKZ mit dem Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils. Marc Donzé, Pastoraltheologe und Bischofsvikar in Lausanne, erinnerte an die Neuentdeckung und Aufwertung der Bibel, die das Konzil vorgenommen hat. Sie ist nicht «Steinbruch», um dogmatische Wahrheiten oder moralische Normen zu begründen, sondern Grundlage des Glaubens und Seele der Theologie. Die Forderung des Konzils, die Heilige Schrift solle «allen Gläubigen weit offenstehen», konkretisiert sich z. B . im kommenden Lukas- Jahr: Allein im Kanton Waadt soll die Broschüre mit dem Text des Lukasevangeliums und kurzen Erläuterungen 30 000 Mal abgegeben werden, um kleine Gruppen, Seelsorgeteams, pastorale Räte und andere zu ermutigen, die Bibel für das eigene Leben und das Christsein in der Welt von heute zu erschliessen. Eva-Maria Faber, Professorin und Rektorin an der Theologischen Hochschule Chur, sprach über «das Prinzip Verantwortung als Brennpunkt der konziliaren Ekklesiologie ». Sie stellte anhand etlicher Beispiele heraus, dass die Mitverantwortung aller für die Sendung der Kirche von den Konzilsvätern nicht nur gefordert, sondern auch erlebt wurde. Sie erinnerte daran, dass es immer wieder Einzelne sind, die diese Mitverantwortung wahrnehmen und einfordern – und so zu Veränderungen beitragen. Beispielhaft zitierte sie Bischof Josef Höffner: «Im Verhältnis der Gläubigen zur Hierarchie ist (…) das Prinzip der Subsidiarität zu achten (…). Das, was von Laien aus eigener Kraft getan werden kann, [ist] nicht dem Klerus zu übertragen. » Aber nicht nur europäische und deutschsprachige, sondern auch Konzilsväter aus anderen Kontinenten forderten mehr Mitverantwortung der L aien, so z. B . der argentinische Bischof Antonio Quarracino: «Klar und oft genug reden wir von der Teilnahme der Laien an der Sendung der Gnadenvermittlung und des Lehramtes, nicht aber in gleichem Masse von einer Teilnahme an der Regierung der Kirche. Trotzdem, glaube ich, kann und muss man davon sprechen. Man kann auch an diese oder jene Art von Vertretungskörperschaften, des Wahlrechts und der Mitwirkung an der Verwaltung denken, um in irgendeiner Form die Laien an der Sendung der Kirchenregierung zu beteiligen.» Leider habe das Kirchenrecht von 1983 jedoch fast ausschliesslich den «affektiven» und zu wenig den «effektiven Einbezug der Laien» rechtlich verankert.

… und 40 Jahre RKZ

Abgerundet wurde die Versammlung mit der Präsentation der Festschrift zum 40-Jahr-Jubiläum der RKZ , das sie Ende 2011 gefeiert hat. Daniel Kosch, Generalsekretär der RKZ , stellte dabei auch den Bezug zum Konzilsjubiläum her: «Diese Festschrift erscheint in der Phase des Konzilsjubiläums. Es wäre zu hoch gegriffen, die RKZ als kleine Schwester des Konzils zu bezeichnen, aber sie ist mit dem Konzil zweifellos verwandt und rund 10 Jahre danach geboren. Das Kirchenbild des Konzils prägt den Stil der RKZ , ihre Entscheidungen als Organisation von mündigen Töchtern und Söhnen Gottes in demokratischer Freiheit bei gleichzeitiger Rückbindung an die kirchliche Basis und an das kirchliche Amt zu fällen. Das Konzil ist auch wegweisend für die Hauptaufgabe der RKZ , ihre Mittel für viele kirchliche Handlungsfelder einzusetzen, die durch das Konzil aufgewertet wurden oder erst in den Blick kamen. Es ist zu hoffen und zu wünschen, dass dieses Konzilsjubiläum auch und gerade von den staatskirchenrechtlichen Körperschaften als Chance begriffen und ergriffen wird, sich mit der Aufgabe der Kirche und ihren eigenen Aufgaben in der Welt von heute zu befassen.»

Zürich, den 6. Dezember 2012, Daniel Kosch


Katholische Kirche und demokratischer Staat in pluralistischer Gesellschaft – Festschrift zum 40-jährigen Bestehen der RKZ

2011 konnte die Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz auf ihr 40-jähriges Bestehen zurückblicken. Sie tat dies mit einem Festakt an der Universität Zürich. Im Zentrum standen drei Referate von Erzbischof Jean-Claude Périsset, Apostolischer Nuntius in Berlin, Philippe Leuba, Regierungsrat des Kantons Waadt, und Markus Notter, a. R egierungsrat des Kantons Zürich. Sie beleuchteten das Verhältnis von Kirche, Staat und Gesellschaft aus unterschiedlichen Perspektiven. Diese Referate und die übrigen Ansprachen wurden um einen längeren Beitrag von Daniel Kosch, Generalsekretär der RKZ , unter dem Titel «Die Römisch-Katholische Zentralkonferenz. Geschichte – Gegenwart – Herausforderungen» ergänzt und in einer zweisprachigen Festschrift publiziert. Wer Interesse an dieser Publikation hat, kann diese beim Generalsekretariat der RKZ , Hirschengraben 66, 8001 Zürich, Telefon 044 266 12 00, E-Mail rkz@kath.ch, zum Preis von 15 Franken pro E xemplar bestellen.

Daniel Kosch

Daniel Kosch

Dr. theol. Daniel Kosch (1958) ist seit 2001 Generalsekretär der Römisch- Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz. Zuvor leitete er während rund 10 Jahren die Bibelpastorale Arbeitsstelle des Schweizerischen Katholischen Bibelwerks. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Kirchenfinanzierung, Kirchenmanagement und Staatskirchenrecht.