Kann man Gott etwas wünschen? Ist er nicht vollkommen und daher bedürfnislos? Der theologische Dreh- und Angelpunkt des vorliegenden Bändchens lautet: Gott hat sich aus Liebe und in Freiheit unserer Liebe bedürftig gemacht, damit wir sie ihm, anderen Menschen, uns selbst und der ganzen Schöpfung in Freiheit zurückschenken (75f). Das ist sein grösster Wunsch. Dass dieser sich erfülle, ist genau das, «Was ich Gott wünsche» – wie es im Titel des originellen und tiefsinnigen Buchs von P. Reinhard Körner heisst. Es enthält eine Einladung, die zuvorkommende Liebe Gottes zu erkennen, liebevoll zu erwidern und tatkräftig zu unterstützen.
Den Anstoss, darüber nachzudenken, wie man für Gott bitten kann, erhielt der Autor von einem Kind, das auf seinen Wunschzettel schrieb: «Ich wünsche mir, dass es Gott gut geht» –- wohl die schönste Zusammenfassung des ganzen Buchs. Denn neben der Einladung, Gottes Liebeswerben zu unterstützen ist es der Klang der Liebe, den der Autor feinsinnig im Wünschen für Gott wahrnimmt, ausgehend von den Eingangsversen des Vaterunser (13).
P. Körner hat in anderen Veröffentlichungen ausführlich und im Anschluss an den Exegeten Heinz Schürmann dargelegt, dass das Vaterunser mit Ausnahme der Brotbitte keine Bitten, sondern Wünsche für Gott enthält. Im vorliegenden Buch fasst der Autor die exegetischen Argumente kurz zusammen (10-13). Sie sind vor allem sprachanalytischer Art.
Welche Wünsche für Gott werden im Hauptteil des Buchs vorgestellt und bedacht? (Der Autor betont, dass sein Wunschzettel nur Beispiele enthält, die durch die Wünsche der Leserinnen und Leser ergänzt werden können.) «Ich wünsche dir, Gott, dass du mehr bemerkt und beachtet wirst.» «Ich wünsche dir, Gott, dass wir das Leid und das Böse nicht dir anlasten.» «Ich wünsche dir, Gott, dass wir benutzen, was uns gegeben ist: die Vernunft und die Fähigkeit zu lieben.» «Ich wünsche dir, Gott, dass wir als gesamte Menschheit von deinem Jesus lernen.» «Ich wünsche dir, Gott, dass du für deine Schöpfung genug «Salzmenschen» findest.» «Ich wünsche Dir, Gott, dass deine Sehnsucht und deine Wünsche zu unserer Hoffnung werden.»
Das Interessante des Buchs liegt darin, wie der Autor die einzelnen Wünsche entfaltet. Beim ersten Wunsch erinnert P. Körner an die vielfältigen Formen von Gotteserfahrung heute. Man spürt, dass der Autor im Osten Deutschlands aufgewachsen ist und dort seit langem arbeitet. Heute geht es, so P. Körner, darum, sich von Gott berühren zu lassen und aus einer lebendigen Beziehung zu ihm heraus das Leben zu gestalten. Eine solche freundschaftliche Beziehung verträgt harte und schwierige Anfragen, z.B. die nach dem Sinn einer leidgeprüften Welt. Der entsprechende Abschnitt des Buchs schliesst mit der fast kecken Formulierung: «Ich wünsche dir, Gott, dass du weisst, warum du dir diese Welt zugemutet hast. Ich wünsche es dir um unseretwillen und um deinetwillen» (40). Angriffig auch die Ausführungen zum Wunsch «Ich wünsche dir, Gott, dass du für deine Schöpfung genug `Salzmenschen` findest» (63-73). Viele Verkünderinnen und Verkünder des Glaubens sind nach Ansicht des Autors nicht mehr Salz der Erde und Licht der Welt, sie haben ihre «erste Liebe» (Offb 2,4) verloren. Sie haben einen Glauben, aber glauben nicht wirklich, sie leben von, aber nicht mit Gott (66f). Beschwichtigend und hartnäckig zugleich der Wunsch am Ende des Kapitels: «Ich wünsche dir, Gott, dass du genügend Salzmenschen hast für deine Welt, in deiner Kirche und in deinem gesamten Volk. Ich weiss ja, dass du genügend hast, jedenfalls aus deiner Sicht – doch weniger als dies kann ich dir nicht wünschen» (72). Der letzte Wunsch des Buchs («Ich wünsche dir, Gott, dass deine Sehnsucht und deine Wünsche zu unserer Hoffnung werden» (74-83) und der Nachtrag («Ich bete zu dir, Gott – für dich» (84-86) bedenken den Untertitel des Buchs: «Ein heilsamer Blick am Wendepunkt unserer Zeit». Der Autor macht keinen Hehl daraus, dass die momentane Weltsituation ihm sehr grosse Sorgen macht. Dennoch lädt er dazu ein, das Apfelbäumchen, das Gott pflanzte, zu hegen und zu pflegen. Gott pflanzte es, als er «sich aus Liebe unserer Welt bedürftig machte und damit begann, uns Menschen als sein Ebenbild zu erschaffen» (80). Dieses von Gott bereits gepflanzte Apfelbäumchen blüht also bereits, ist aber immer gefährdet, durch Kälte und Gewalt Schaden zu nehmen.
P. Körner ist ein Meister der kleinen Form. Auf engstem Raum fasst er vielschichtige theologische Zusammenhänge punktgenau und allgemeinverständlich zusammen. So bei Wunsch 1 die Grundlinien der Geschichte des Monotheismus, bei Wunsch 2 die Geschichte der Deutung des Leids und des Bösen in der Welt, bei Wunsch 3 die Grundzüge christlicher Tugendlehre, bei Wunsch 4 die Eckpunkte der Botschaft Jesu, bei Wunsch 5 eine Charakterisierung die Liebessehnsucht Gottes nach dem Menschen und der ganzen Schöpfung. (Zum besseren Verständnis des Ganzen wäre es vielleicht hilfreich gewesen, diesen Punkt in den einleitenden Teil des Buchs einzubauen.)
In ihrem letzten Radiointerview bemerkte Dorothee Sölle: «Gott hat zu wenige Freunde auf der Welt.» Auch so hätte man das Buch von P. Körner titeln können. Mir persönlich kam bei der Lektüre immer wieder eine Strophe aus dem Gedicht «Christen und Heiden» von Dietrich Bonhoeffer in den Sinn: «Menschen gehen zu Gott in Seiner Not, finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot, sehen ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod. Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden.» Nah am theologischen Ansatz von P. Körner auch Tomas Halik, der im Anschluss an Augustinus titelt: «Ich will, dass du bist. Über den Gott der Liebe.» Last not least: Was würden Sie Gott wünschen?
Die Kernaussagen auf einen erweiterten Blick
♦ Im Vaterunser lernen wir, nicht nur zu Gott, sondern vor allem für Gott zu beten.
Die ersten drei Verse des Vaterunser sind keine Bitten, sondern Wünsche für Gott. Das lässt sich schon rein sprachlich aufzeigen. Der Eröffnungsvers des Vaterunser «Geheiligt werde dein Name» bedeutet: «Vater, du sollst ganz glücklich sein! Du sollst ganz der sein, der du bist! Du sollst ganz Gott sein!» (13)
♦ Indem wir die Worte Jesu als Wunsch für Gott verstehen, wünschen wir, dass sich nicht unsere, sondern Gottes Wünsche erfüllen.
Wir wünschen Gott, «dass wachsen kann, was er will für seine Schöpfung und für seine Menschen» (14). Im Eröffnungsvers und den beiden folgenden Versen des Vaterunser drückt sich «die letzte grosse Sehnsucht» (Heinz Schürmann) Jesu aus: dass Gottes Königtum komme und sein Wille immer mehr Wirklichkeit werde auf der Erde (13).
♦ Hier geschieht ein Perspektivenwechsel: Wir schauen mit Gott zusammen und aus seiner Perspektive auf unser Leben und auf die gegenwärtige Welt.
Ein solcher Blick kann auf uns und auf die (kleine) Welt, für die wir Verantwortung tragen, heilsam wirken (14f).
♦ So beten heisst auch, Mitleid mit Gott zu haben.
Wie es das kleine Kind, dessen Wunschzettel den Impuls für das Buch gab, ausdrückte: «Ich wünsche mir, dass es Gott gut geht» (6 u.15).
♦ «Ich wünsche dir, Gott, dass du mehr bemerkt und beachtet wirst.» (18-28)
Es geht heute darum, nicht nur mehr an Gott zu denken, sondern mehr bei Gott zu sein. Das beginnt beim Staunen: «Wieso ist überhaupt etwas da und nicht nichts?» (20) Geisteslehrer des Ostens meinten hinter und in allem eine «höhere» Wirklichkeit zu erspüren. Sie sprachen vom Allumfassenden oder vom Einen. Griechische Philosophen nannten es den Urgrund allen Seins. Das jüdische Volk erkannte in diesem Urgrund den einzigen, personhaften Gott, den Schöpfer aller Dinge. - Nur wer diesen Weg für sich innerlich und frei nachgeht, hat nicht nur an Gott gedacht, sondern etwas von Gott erfahren. Oder er kommt zu der begründeten, frei gewählten und ehrlichen Überzeugung, sein Leben besser ohne eine Vorstellung von Gott führen zu können. Beide Positionen sind «ehrbar», können sich auf Augenhöhe und mit Würde begegnen und zum Wohl der Schöpfung einen Beitrag leisten. In beiden Fällen hat Gott sich bemerkbar gemacht mit dem Wunsch, bemerkt zu werden. (Johannes vom Kreuz sprach von Gottes «Grüssen und Rühren an die Seele».) Alle Formen von Fundamentalismus hingegen zerstören solche Gottoffenheit und führen zu einem Kampf der Kulturen.
♦ «Ich wünsche dir, Gott, dass wir das Leid und das Böse nicht dir anlasten.» (30-40)
Selbst gottgläubige Menschen fragen sich manchmal, warum Gott das Leiden der Schöpfung zulässt, ohne zu helfen. Selbst der Gedanke, dass Gott als der Schöpfer das Leiden vielleicht sogar verursacht, ist ihnen nicht fremd (31). Die Deutung des Leidens und des Bösen hat eine lange, vielschichtige Geschichte. Erst im Gottesbild Jesu wird die Ambivalenz zwischen dem barmherzigen und dem strafenden Gesicht Gottes aufgelöst und ein Gott bedingungsloser Liebe verkündet (33). Wenn dieser Gott wie in Jesus Mensch wird, leidet er unser Leiden mit und stärkt uns da, wo wir gegen das Leiden angehen. «Als der Auferstanden-Gegenwärtige wurde der am Kreuz Leidende für viele Christen … zum Bruder und Beistand im Leiden. Und zum Kraftquell, gegen das Leid anzugehen, wo immer es nur möglich ist» (34). In der Aufklärung formte sich das Bild einer eigendynamischen, freien und evolutiven Welt, in der die Freiheit des Menschen und die Eigengesetzlichkeit der Natur durchaus auch Leiden hervorbringen können. Hätte Gott nicht auf die Erschaffung einer solchen, leidgeprüften Welt verzichten können? «Ich wünsche dir, Gott, dass du weisst, warum du dir diese Welt zugemeutet hast. Ich wünsche es dir um unseretwillen und um deinetwillen» (40).
♦ «Ich wünsche dir, Gott, dass wir benutzen, was uns gegeben ist: die Vernunft und die Fähigkeit zu lieben.» (41-50)
Die Vernunft lässt uns, tiefer als der Verstand die Welt «hinter dem Horizont» wahrnehmen. Die Fähigkeit zu lieben ermöglicht es dem Menschen, nicht nur instinktgeleitet, sondern (verantwortungs-) bewusst und willentlich Beziehung zu anderen Menschen aufzunehmen (43). «Nicht der Mangel an Vernunft-Begabung und Liebes-Fähigkeit ist … das Problem, sondern wie wir mit diesen Fähigkeiten umgehen». (43f) Schon in der vorchristlichen Welt sprach man von Tugenden, die man brauche, um seine Vernunft und seine Liebesfähigkeit zu kultivieren. Die Kardinaltugenden hiessen Besonnenheit, Mässigung, Tapferkeit und Gerechtigkeit (44). Die christliche Theologie ergänzte diese Grundhaltungen mit den von Gott jedem Menschen gnadenhaft «eingegossenen», «göttlichen» Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Mit ihrer Hilfe werden die natürliche Erkenntnis- und Liebeskraft des Menschen angeregt, gereinigt, vertieft und letztlich auf Gott ausgerichtet (45f). Mit anderen Worten: Gott selbst bewegt jeden Menschen, seine Vernunft und seine Liebesfähigkeit zum Guten zu gebrauchen (46f). Allerdings kann der Mensch seine Vernunft auch missbrauchen, je nachdem, was ihm als höchster Wert vor Augen steht. Auch die Liebesfähigkeit kann fehlgeleitet sein, wenn sie den anderen zum Objekt der eigenen Begierde macht. Wer mit Gott lebt, richtet sich an Gott als dem höchsten Wert aus. Für ihn/für sie ist Gott der letzte, entscheidende, erfahrbare Angelpunkt all seiner Vernunfttätigkeiten und die Quelle seiner Liebesfähigkeit (49). In der menschlichen Vernunft und in der menschlichen Liebesfähigkeit will Gott sich der Welt ganz konkret schenken und zusammen mit den Menschen Heil für die Welt erwirken. Möge Gott mit diesem Projekt mehr als bisher Erfolg haben (50).
♦ «Ich wünsche dir, Gott, dass wir als gesamte Menschheit von deinem Jesus lernen.» (51-62)
Versuchen wir das, was Jesus gesagt und getan hat, möglichst einfach auszudrücken. (Ohne Umdenken geht das allerdings nicht!): 1. Jesus hatte keine Lehre, sondern zeigte Wirklichkeit. Die Wirklichkeit Gottes und die des Menschen (54f). 2. Jesus lehrte keine Moral, sondern brachte eine Botschaft. Ihr Kern heisst: Du bist von Gott unbedingt geliebt, bist seine einmalige Tochter, sein einmaliger Sohn. Deshalb kannst du ein liebender Mensch sein (56f). 3. Jesus sprach nicht vom Gott der Juden, sondern vom Gott der Menschheit und der gesamten Schöpfung. Das Volk Gottes ist, aus der Perspektive des Gottes Jesu gesehen, die gesamte Menschheit. Jeder Teil hat eine bestimmte Aufgabe für die Gesamtheit zu erfüllen (57f). 4. Jesus gründete nicht eine institutionalisierte Religion, sondern initiierte eine Bewegung neuen Denkens und Handelns. Kirche blieb (und bleibt!) nur dort lebendig, wo sie «im Geist ihres Ursprungs als Bewegung in Bewegung blieb» (59). Die ersten Jüngerinnen und Jünger lernten in Jesus den Messias, den unüberbietbar vollkommenen Menschen und das Abbild, den Sohn Gottes sehen – nicht durch eigenes Bemühen, sondern in der Kraft des Geistes Gottes.Wem das nicht geschenkt wird, möge von Jesus wenigstens etwas lernen (61).
♦ «Ich wünsche dir, Gott, dass du für deine Schöfung genug `Salzmenschen` findest» (63-73)
Die Kirche von heute erreicht immer weniger Menschen. Sie hat der Gesellschaft nichts mehr zu bieten, weil sie ihrer Kernaufgabe, der Weitergabe des biblischen Gottesglaubens und des Lebenskonzepts Jesu an die Menschen nicht mehr angemessen nachkommt. (64f) Wie sehr muss Gott an seiner Kirche leiden! Viele Verkünderinnen und Verkünder des Glaubens sind nicht mehr Salz der Erde und Licht der Welt, sie haben ihre «erste Liebe» (Offb 2,4) verloren. Sie haben einen Glauben, aber glauben nicht wirklich, sie leben von, aber nicht mit Gott. (66f) Sie schauen auf die Lehre, aber nicht mehr auf den Lehrer, «den göttlichen Freund und Meister …der sie anschaut» (69). Natürlich gibt es sie noch, die «Salzmenschen», Priester, Ordensleute, Laien, die etwas vom Geist Jesu, seiner Weisheit und seiner Liebe aufstrahlen lassen. Nicht zu vergessen die Nichtchristinnen und -christen, «die sich in ihrer Vernunft vom Geist der Weisheit leiten lassen und in ihrer sozialen Intelligenz vom Geist der Liebe» (71). «Ich wünsche dir, Gott, dass du genügend Salzmenschen hast für deine Welt, in deiner Kirche und in deinem gesamten Volk. Ich weiss ja, dass du genügend hast, jedenfalls aus deiner Sicht – doch weniger als dies kann ich dir nicht wünschen» (72).
♦ «Ich wünsche dir, Gott, dass deine Sehnsucht und deine Wünsche zu unserer Hoffnung werden.» (74-83)
Braucht uns Gott? Braucht er irgendetwas, um vollkommen zu sein? «Obwohl er uns nicht braucht, hat er sich aus Liebe unserer Liebe bedürftig gemacht; aus Liebe – und in völliger Freiheit» (75). Gott wünscht sich, dass wir zu Liebenden werden: «Liebende im Verhältnis zueinander, zu seiner Schöpfung und zu ihm» (76). Gott etwas wünschen, kann nur so geschehen, dass man ihm wünscht, dass sein grosser Wunsch nach Mitliebenden immer mehr in Erfüllung geht (76). Davon sind wir allerdings noch weit entfernt. Wir tragen die Liebesfähigkeit zwar in uns, leben sie aber in der Regel nur ansatzweise. Allein aus eigener Kraft werden wir hier nicht weiterkommen. «Nur der Schöpfer kann uns fertigstellen» (77). Gibt es dann noch Hoffnung für diese Welt? Gott spricht auch durch die Zeichen des Unheils zu uns. Es lohnt sich, noch ein Apfelbäumchen zu pflanzen, (79) vor allem aber das Apfelbäumchen, das Gott pflanzte, indem er sich aus Liebe unserer Welt bedürftig machte «und damit begann, uns Menschen als sein Ebenbild zu erschaffen» (80). Dieses von Gott bereits gepflanzte Apfelbäumchen gilt es zu hegen und zu pflegen. Es blüht bereits, ist aber in Gefahr, durch Kälte und Gewalt Schaden zu nehmen. Es blüht konkret: in der Würde, die alle Menschen einmalig und unzerstörbar in sich tragen – in der menschlichen Vernunft, die weiterreicht als der Verstand – im Mut, mit dem viele Menschen sich für die Bewahrung der Schöpfung, für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen – in der heilsamen Aufmerksamkeit für andere – in der Sehnsucht, dass die Liebe nie endet (80f). Sollten diese Blüten wirklich einmal durch den Menschen für immer zerstört werden, dürfen wir auf das nicht von Menschenhand, sondern von Gott errichtete ewige Haus im Himmel hoffen (2Kor 5,1). Auf dieses Ziel hin gilt es jetzt schon hinzuwirken. (81f) Gottes Sehnsucht nach seiner Schöpfung werde zum Grund unserer Hoffnuing und zur Triebkraft unseres Engagements für eine bessere Welt (82).
♦ «Nachtrag: Ich bete zu dir, Gott – für dich.» (84-86)
Wie kann man in der momentanen Weltsituation beten? Gott leidet an uns und mit uns. «So wie Gott bei uns ist in unserer Sorge und Angst, so will ich bei Gott sein in seiner Sorge um uns, in seinem Leiden an uns und mit uns» (85), aus meinem Herzen in sein Herz hinein zusammen mit anderen Betern sagen: «Gott, ich vertraue dir» (86).
Wolfgang Broedel