Die nationale Ökumene im Um- und Aufbruch

Nach sorgfältigen Abklärungen und Gesprächen wurden 2012 zwei neue Kirchen in die AGCK-CH aufgenommen: die rumänischorthodoxe Kirche in der Schweiz als Mitglied und die Freikirche der Siebten-Tags-Adventisten im Gaststatus. (Der Gaststatus wurde auf nationaler Ebene erstmals zugesprochen.) Dazu wird die Kommission AGCK-Neuapostolische Kirche nun ebenfalls nach einem Unterbruch weiter arbeiten und klären, ob diese den Gaststatus erhalten kann. Die NAK hat Ende 2012 ihren Katechismus veröffentlicht, womit die Weiterbearbeitung nun möglich ist. Auch wird die AGCK in Zukunft vermehrt das Gespräch mit Freikirchen, die nicht Mitglied sind, suchen. Weiter überprüft die AGCK bis Ende 2013 mit einer Arbeitsgruppe ihre Ausrichtung, Struktur und Arbeitsschwerpunkte. Dabei soll neu auch die «Charta Oecumenica» integriert werden, die bis jetzt in den Statuten keine Berücksichtigung fand. Die Zusammensetzung und Aufgaben des Präsidiums und der Plenarversammlung sind hier ebenso ein Thema wie deren jeweilige Arbeit. Das Stimmrecht innerhalb der Delegiertenversammlung soll neu geregelt werden. Überprüft werden auch die Arbeit des Generalsekretariats sowie die Kriterien der Mitgliedschaft der AGCK. Ein wichtiges Anliegen ist der AGCK-CH ausserdem die Zusammenarbeit mit den kantonalen Schwesterorganisationen; diese soll gestärkt werden. Um die Neuausrichtung kompetent zu gestalten, wurden Nationale Kirchenräte in anderen Ländern zu ihrer Arbeitsweise befragt. Dazu hat die Arbeitsgruppe in einem Workshop auch die Vorstellungen der Delegierten der Plenarversammlung eruiert. Die Ergebnisse aller Befragungen werden in die Vorschläge der AG Zukunft zu Händen des Präsidiums und der Plenarversammlung eingearbeitet. Dem Präsidium werden bei diesen anspruchsvollen Prozessen 2013/14 Pfarrerin Rita Famos (Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund) als Präsidentin und Bischof Charles Morerod (Schweizer Bischofskonferenz) als Vizepräsident vorstehen. Neu vertritt Pfarrerin Dagmar Magold die evangelisch-lutherischen Kirchen und Pfarrer Adrian Diaconu die rumänisch-orthodoxe im Präsidium. Die anglikanische Kirche wird ab 2013 The Venerable Peter Potter repräsentieren, Archdeacon der anglikanischen Kirche in der Schweiz.

Gebet und Ausweitung der Taufanerkennung

Basis der Arbeit der AGCK ist seit 2005 die «Charta Oecumenica», die alle Mitgliedkirchen unterzeichnet haben. Das Gebet mit- und füreinander ist und bleibt deshalb ein wichtiges Anliegen. Dies zeigt das Engagement für die jeweilige Gebetswoche für die Einheit der Christen, aber auch das gemeinsame Gebet der AGCK, das am Bettag in allen Kirchen gebetet werden soll. Neu nimmt die AGCK den Ball aus dem Bundeshaus auf: 113 Parlamentarier und Parlamentarierinnen haben 2012 in einem Aufruf die Aufwertung des Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettages gefordert. Die Menschen in der Schweiz sollen «danken, für Stabilität und Wohlstand unseres Landes auch in einer schwierigen Zeit». Sie sollen «beten, dass Gott den Menschen in unserem Land beisteht und sie segnet». Und sie sollen «Busse tun über unser persönliches und kollektives Fehlverhalten ». Katholiken, Reformierte sowie Mitglieder von Freikirchen sind bei den Unterzeichnern. Die AGCK wird die Federführung mit Vertretern weiterer Freikirchen übernehmen für ein gemeinsames Projekt am Samstag vor dem Bettag. Die Ausweitung der Taufanerkennung unter den Kirchen ist eine weitere Verpflichtung der Charta. Professor Urs von Arx stellte in einem Gutachten die Grundlagen für einen solchen Text in der Schweiz fest [veröffentlicht in SKZ 178 (2010), Nr. 1, 4–10]. Eine hochrangig besetzte Fach-Kommission erstellte danach einen Textentwurf für ein entsprechendes Dokument, das möglichst viele Mitgliedkirchen der AGCK unterzeichnen können. Kernpunkt sind folgende Punkte: Vollzogen wird die Taufe nach dem Auftrag Jesu im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes (Mt 28, 19–20) zusammen mit der Zeichenhandlung des Untertauchens bzw. des Übergiessens mit Wasser. Sie ist im Leben eines Menschen einmalig und unwiederholbar. Nach der Überprüfung durch die Kirchenleitungen wird der bereinigte Text zurzeit nochmals von den Verantwortlichen gegengelesen. Bis Mitte 2013 sollen die definitiven Ergebnisse vorliegen. Dabei geht es um ein gegenseitiges vertieftes Verständnis der Taufe in den unterschiedlichen Kirchen. Darum wird ebenfalls auch eine Broschüre für die Gemeindearbeit publiziert. Eine feierliche Unterzeichnung des Dokuments wird danach erfolgen. 2013 sind es 40 Jahre, dass die römisch-katholische Kirche, der Schweizerische Evangelische Kirchenbund und die christkatholische Kirche in der Schweiz als erste in Europa eine entsprechende Verpflichtung unterzeichnet haben und gegenseitig die Taufen anerkennen!

Erfolgreiche Schöpfungszeit und gefährdete Sonntagsruhe

Die Schöpfungszeit erweist sich als ein Erfolgsprojekt: Immer mehr Kirchen orientieren sich an den Unterlagen der «oeku», welche jedes Jahr Projekte vorschlägt. Die AGCK vermittelt diese Informationen an alle ihre Mitgliedkirchen. Eine wachsende Anzahl von Kirchen bietet für die Zeit vom 1. September bis 4. zum Oktober Veranstaltungen vor Ort an, vom Gottesdienst bis zur Flurbegehung, dem Treffen auf Bio-Höfen usw. Bei der Bewahrung der Schöpfung (welche ebenfalls ein wichtiges Anliegen der «Charta Oecumenica» ist) engagieren sich Kirchenengagierte gemeinsam mit eher kirchenfernen Menschen. Eine ähnliche Zusammenarbeit bietet die Sonntagsallianz: Die Sonntagsruhe gerät durch die Ausweitung der Sonntagsarbeit immer mehr unter Druck. Neue Gesetze für liberalisierte Ladenöffnungszeiten sind hier Vorreiter. Zum Schutz des Sonntags steht die AGCK deshalb in Kontakt mit der Sonntagsallianz, einer Plattform mit kirchlichen und medizinischen Organisationen sowie mit verschiedenen Gewerkschaften. (Die AGCK hat anlässlich der Plenarversammlung im September den Entscheid, ob sie der Allianz beitritt, verschoben.)

Oecumenica-Label für AOT

Das Präsidium der AGCK-CH hat am 16. November 2012 dem Atelier OEcuménique de Théologie AOT in Genf das Oecumenica-Label für ausgezeichnete Ökumene verliehen. Alain Decorzant SJ, Katholischer Leiter des Ateliers, berichtet über dessen Arbeit: «Dies ist ein Ort, um den Spuren Gottes im eigenen Leben nachzuspüren. Das Atelier ist aber auch ein Ort, um seine eigene kirchliche Tradition und die der anderen Kirchen besser zu verstehen.» AOT arbeitet erfolgreich seit 40 Jahren, etwa 1600 Personen haben in dieser Zeit die Kurse besucht. Zurzeit nehmen 70 Männer und Frauen zwischen 38 und 70 Jahren aller Konfessionen sowie Personen, die keiner Kirche angehören, daran teil. Lehrende sind Theologie-Professoren aus der römischkatholischen, den reformierten und teils auch von orthodoxen Kirchen. Die Kommission für das Oecumenica-Label hat Handlungsbedarf festgestellt: Sie überprüft jeweils die eingereichten Projekte intensiv an Hand der Kriterien, der Unterlagen sowie oft auch vor Ort im Gespräch. Danach empfiehlt sie die Projekte, die diesen Prozess bestanden haben, dem Präsidium zur Annahme. Nach einigen Jahren der Arbeit zeigt sich, dass die Kriterien für das Label teilweise angepasst werden müssen. Aus Paritätsgründen werden ausserdem zusätzlich eine oder zwei Personen aus den «kleinen Mitglied-Kirchen» als Kommissionsmitglieder gesucht. Heute besteht diese aus vier Personen, zwei Männern, zwei Frauen; zwei Reformierten, zwei Katholiken, zwei Romands und zwei Deutschschweizern. Drei sind theologische Laien, eine Person ist Theologin.

600 Jahre Konzil von Konstanz

Konstanz feiert in den Jahren 2014 bis 2018 das Jubiläum «600 Jahre Konstanzer Konzil». Während des Konzils hielten sich Kaiser, Papst und Kirchenfürsten mit ihrem Gefolge dort und den umliegenden Orten auf. Den Auftakt zum Jubiläum bilden zwei Ausstellungen in Konstanz. Für die folgenden Jahre sind verschiedene Veranstaltungen mit speziellen Jahresthemen geplant. Die AGCK-CH sowie kantonale AGCK, Kirchen und Kantone werden in die Gedenkveranstaltungen mit eingebunden. Die AGCK engagiert sich weiterhin vielfältig für die Gemeinschaft der Christinnen und Christen; sie will aus den Umbrüchen einen Aufbruch im Dienste der Ökumene gestalten. Sie nimmt aber auch Verantwortung in der Gesellschaft war. Dabei weiss sie sich getragen von dem gemeinsamen Glauben aller Christinnen und Christen an Jesus, den Vater im Himmel und die Kraft des Heiligen Geistes.


Weitere Informationen

Oecumenica-Label für gute Ökumene (seit 2009). Informationen d/fr: Broschüre oder http://www.agck.ch/de/communiques-de/180-aot-erhaelt-das-oecumenica-label

Sonntagsallianz: Gründungserklärung in der Schweiz: http://www.unia.ch/index.php?id=6305 Informationen und Kampagnen in Europa: http://www.europeansundayalliance.eu/ (Englisch)

Einheitswoche 2013: Unterlagen http://www.agck.ch/de/communiques-de/99-gebetswoche-fuer-die-einheit-der-christen-2013-vom-18-januar-bis-25-januar-2013

Spendenvorschlag Schweiz: L’Ecole de la Parole en Suisse romande. Das Projekt wurde mit dem Oecumenica-Label ausgezeichnet.

Homepage Konstanzer Konzil: www.konstanzer-konzil.de/web/index.php/de/ Siehe allgemein: www.agck.ch; Christiane Faschon, Generalsekretärin der AGCK Schweiz, E-Mail info@agck.ch

Christiane Faschon

Christiane Faschon

Christiane Faschon ist dipl. Religionspädagogin, Fachjournalistin (BR) und Dozentin.