353. ord. Versammlung der Schweizer Bischofskonferenz SBK
Mit einer von Bischof Felix Gmür geleiteten eucharistischen Anbetung in der St.-Anna-Kapelle begann die 353. ordentliche Versammlung der Schweizer Bischofskonferenz SBK im Kloster Fischingen TG, die vom 21. bis 23. September stattfand. Im Zentrum der dreitägigen Beratungen standen der Dialog mit verschiedenen kirchlichen Partnern, die gemeinsame Verantwortung gegenüber von Missbrauch betroffenen Personen sowie die synodale und interkulturelle Zukunft der katholischen Kirche in der Schweiz.
Am ersten Tag begegneten die Mitglieder der SBK Vertreterinnen und Vertretern der drei sprachregionalen Missbrauchsbetroffenenorganisationen: der Interessengemeinschaft für Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld (IG-M!kU), der Groupe de soutien aux personnes abusées dans une relation d’autorité religieuse (SAPEC) und der Gruppo di ascolto per vittime di abusi in ambito religioso (GAVA). Thema waren die bisherigen Massnahmen nach der Veröffentlichung der Pilotstudie von 2023, die Erwartungen der Betroffenenorganisationen an die weitere Prävention, Aufarbeitung und Begleitung sowie die künftig verstärkte und regelmässige Zusammenarbeit im Dialog zwischen den Betroffenenorganisationen und der SBK. Die Beteiligten führten einen offenen und direkten Austausch.
Weiter trafen sich die Mitglieder der SBK mit Isabel Vasquez, der Nationaldirektorin von migratio, zu einem vertieften Austausch über die aktuellen Entwicklungen und die künftigen Herausforderungen der Migrationspastoral in der Schweiz. Im Zentrum standen die Umsetzung des Gesamtkonzepts «Auf dem Weg zu einer interkulturellen Pastoral», die wachsende Bedeutung neuer sprachlicher und kultureller Gemeinschaften sowie die Frage, wie die Vielfalt der Kirche noch stärker als Ressource für ihre pastorale und synodale Entwicklung genutzt werden kann. Diskutiert wurden zudem die Zusammenarbeit zwischen Diözesen, Sprachmissionen, katholischen Ostkirchen und migratio, Fragen der Missio canonica und der pastoralen Verantwortung sowie die Bereiche Prävention, Qualitätsentwicklung und Begleitung von Seelsorgenden. Auch die langfristige Sicherung und Finanzierung der Migrationspastoral sowie die stärkere Sichtbarkeit migrationspastoraler Themen in der kirchlichen Kommunikation kamen zur Sprache. Die SBK bekräftigte die Bedeutung einer koordinierten Migrationspastoral, die Menschen unterschiedlicher Sprachen, Kulturen und Traditionen in einer gemeinsamen kirchlichen Sendung zusammenführt. Dabei wurde hervorgehoben, dass die kulturelle Vielfalt der Kirche nicht nur eine pastorale Herausforderung, sondern auch eine Chance für die Zukunft der Kirche in der Schweiz darstellt.
Weiter fand die Begegnung zwischen den Mitgliedern der SBK und des Frauenrates der SBK statt. Ausgangspunkt des Austauschs war die vom Frauenrat im Rahmen eines synodalen Prozesses erarbeitete Leitfrage «Was ist der Mehrwert des Frauenrates für die SBK?» Nach der Einführung durch den Vorstand des Frauenrates führten die Teilnehmenden in deutsch- und französischsprachigen Gruppen dazu ein Gespräch im Geist durch. Dabei standen das gemeinsame Hören auf das Wort Gottes, das gegenseitige Zuhören sowie die gemeinsame geistliche Unterscheidung im Mittelpunkt. Die Beratungen mündeten in gruppenweise formulierte Erkenntnisse und Aussagen, die im Plenum zusammengetragen wurden. Die Teilnehmenden betonten den gemeinsamen Willen, Beziehungen zu vertiefen, Vertrauen zu stärken und sich Zeit füreinander zu nehmen. Als besonderer Mehrwert des Frauenrates wurde sein eigenständiger Blickwinkel hervorgehoben, der neue Perspektiven eröffnet und dazu beitragen kann, gemeinsam im Geist des Evangeliums mutige Schritte in die Zukunft zu wagen.
Per Ende 2026 wird der Trägerverein des Centre romand de pastorale liturgique (CRPL) aufgelöst. Die bisherigen Aufgaben und Tätigkeiten werden künftig durch das CRPL als Dienststelle der SBK wahrgenommen. Das neue Reglement definiert den rechtlichen Rahmen, die Aufgaben sowie die Organisation und Arbeitsweise dieser Dienststelle. Mit der Eingliederung des CRPL in die Strukturen der Schweizer Bischofskonferenz per 1. Januar 2027 wird die institutionelle Verankerung des französischsprachigen Liturgischen Zentrums jener des Liturgischen Instituts der deutschsprachigen Schweiz angeglichen, das bereits seit längerer Zeit als Dienststelle der SBK in der Zuständigkeit der Deutschschweizerischen Ordinarien-
konferenz DOK geführt wird.
Weiter freuten sich die Mitglieder der SBK, den Apostolischen Nuntius in der Schweiz, Erzbischof Martin Krebs, zum Austausch zu empfangen. Im Zentrum standen die Rolle und die Möglichkeiten der Diplomatie des Heiligen Stuhls in einer von Konflikten geprägten Welt. Der Nuntius betonte die besondere Stellung des Heiligen Stuhls, die den Dialog mit allen Seiten ermögliche, und unterstrich die Überzeugung, dass Frieden letztlich nur durch Gespräch, Verständigung und beharrliche Diplomatie wachsen könne.
Die Kommission Genugtuung beantragte eine weitere Nachalimentierung des Genugtuungsfonds, damit auch künftig Genugtuungsbeiträge an Betroffene ausgerichtet werden können. In Fortsetzung der Verantwortung der katholischen Kirche in der Schweiz gegenüber den von Missbrauch betroffenen Personen beschloss die SBK eine elfte Nachalimentierung des Fonds in der Höhe von 300'000 Franken. Damit soll die Handlungsfähigkeit des Fonds im Jahr 2026 sichergestellt werden. Je nach Entwicklung der eingereichten Gesuche könnte im Jahr 2027 eine weitere Nachalimentierung erforderlich werden.
Am letzten Versammlungstag kamen die Mitglieder der SBK und des Präsidiums der RKZ mit der Synodalitätskommission zum dritten Synodalitätstag zusammen. Im Zentrum standen der Austausch über die Erfahrungen mit Synodalität in den Bistümern sowie das nationale Projekt «Vielsprachig katholisch». Dieses soll die sprachliche und kulturelle Vielfalt der katholischen Kirche in der Schweiz als gemeinsame Ressource stärken und konkrete Perspektiven für Gemeinschaft, Beteiligung und Sendung entwickeln. Die Teilnehmenden stimmten der Umsetzung des Projekts zu, dessen erste Phase im Oktober mit dezentralen synodalen Gesprächen beginnt. Siehe nachfolgenden Bericht.
Die Mitglieder der SBK nahmen folgende Ernennung vor:
- Marianne Pohl-Henzen, Bistum Lausanne, Genf und Freiburg, als SBK-Delegierte in den Stiftungsrat von Fastenaktion für eine zweite Amtsperiode rückwirkend per 01.03.2026 bis 14.06.2030;
- Dr. Patrizia Cattaneo Beretta, Bistum Lugano, als Ehebandverteidigerin des Interdiözesanen Schweizerischen Kirchlichen Gerichts (ISKG).
Schweizer Bischofskonferenz SBK
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Synodalitätstag 2026: «Vielsprachig katholisch» – gemeinsam auf dem Weg
Am dritten Synodalitätstag vom 23. September im Kloster Fischingen stand das Projekt «Vielsprachig katholisch» im Zentrum. Die Schweizer Bischofskonferenz, die Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz und die Synodalitätskommission verständigten sich darauf, das Projekt gemeinsam umzusetzen. Damit soll die sprachliche und kulturelle Vielfalt der katholischen Kirche in der Schweiz stärker als gemeinsame Ressource wahrgenommen und gestaltet werden.
Das Projekt «Vielsprachig katholisch» wurde von der Synodalitätskommission im Nachgang zum Synodalitätstag 2025 entwickelt. Es soll konkrete Perspektiven für Gemeinschaft, Beteiligung und Sendung in einer Kirche eröffnen, die von unterschiedlichen Sprachen, kulturellen Prägungen und Migrationserfahrungen geprägt ist.
Der vorgesehene Prozess verläuft in zwei Phasen. Ab Oktober 2026 finden zunächst dezentrale synodale Gespräche in den Bistümern, anderssprachigen Gemeinschaften, Ordensgemeinschaften, Verbänden und weiteren kirchlichen Gruppierungen statt. Dabei sollen bestehende Erfahrungen aufgenommen und nach Möglichkeit bereits auf lokaler, regionaler oder diözesaner Ebene konkrete Schritte beschlossen werden.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der aktiven Beteiligung der Menschen aus anderssprachigen Gemeinschaften. Der Synodalitätstag unterstrich, dass nicht über Migrantinnen und Migranten gesprochen werden soll, sondern gemeinsam mit ihnen. Voraussetzung dafür ist, dass Informationen und Unterlagen die verschiedenen kirchlichen Ebenen und Gemeinschaften tatsächlich erreichen und allen Interessierten eine Mitwirkung ermöglichen.
Die sprachliche und kulturelle Vielfalt der katholischen Kirche geht dabei über bestehende Strukturen und Zuständigkeiten hinaus. Neben den Missionen und anderssprachigen Gemeinschaften sollen deshalb auch Orden, Verbände, Bewegungen und weitere Gruppierungen ihre Erfahrungen und Perspektiven in den Prozess einbringen können. Die Synodalitätskommission begleitet den Prozess auf gesamtschweizerischer Ebene. Die Verantwortung für konkrete diözesane und regionale Massnahmen liegt bei den jeweils zuständigen kirchlichen Stellen.
Bis Ende März 2027 sollen die Ergebnisse der dezentralen Gespräche in einem diözesanen Zwischenbericht zusammengeführt werden. Dieser bildet die Grundlage für die zweite, nationale Phase des Projekts. Von April bis Ende 2027 sollen auf gesamtschweizerischer Ebene Perspektiven und mögliche Massnahmen für die Zukunft einer vielsprachigen katholischen Kirche entwickelt werden. Der Prozess soll am 4. Synodalitätstag (Dezember 2027) in Genf mit Beratungen und Beschlüssen zu möglichen Massnahmen abgeschlossen werden.
Neben dem Projekt «Vielsprachig katholisch» diente der 3. Synodalitätstag dem interdiözesanen Austausch über den Stand der Synodalität in der Schweiz. Vertreterinnen und Vertreter der Bistümer berichteten über ihre bisherigen Erfahrungen und über die Umsetzung synodaler Anliegen.
Im Mittelpunkt standen die Fragen, welche Erfahrungen für die weitere Entwicklung der Synodalität besonders bedeutsam sind und was sich daraus für die katholische Kirche in der Schweiz lernen lässt. Dabei wurde deutlich, dass Synodalität bereits auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen Formen gelebt wird. Das Projekt «Vielsprachig katholisch» knüpft bewusst an diesen Erfahrungen vor Ort an.
Der schweizerische Prozess steht zugleich in Verbindung mit dem weltkirchlichen synodalen Weg. Bis Juni 2027 übermitteln die Diözesen erste Berichte nach Rom. Anfang 2028 ist eine europäische Kirchenversammlung vorgesehen; im April 2028 soll ein kontinentaler Bericht zuhanden des Synodensekretariats beim Heiligen Stuhl erarbeitet werden. Im Oktober 2028 wird dort die weltweite Kirchenversammlung stattfinden.
Die abschliessende Eucharistiefeier mit Reisesegen in der Iddakapelle der Kloster- und Pfarrkirche Fischingen bildete den gemeinsamen Abschluss des dritten Synodalitätstages.
Schweizer Bischofskonferenz SBK
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Einheit in der Vielfalt: migratio bringt katholische Gemeinschaften in Mariastein zusammen
Zum ersten Mal versammelten sich katholische fremdsprachige Gemeinschaften und katholische Gemeinschaften verschiedener Riten aus der ganzen Schweiz zum Tag der Migranten.
Anlässlich des Tages der Migrantinnen und Migranten am 27. September lud migratio erstmals alle katholischen fremdsprachigen Gemeinschaften sowie katholische Gemeinschaften verschiedener Riten in der Schweiz zu einer gemeinsamen Feier in der Abtei Mariastein SO ein. Ziel der Veranstaltung, an der mehr als 700 Menschen teilnahmen, war es insbesondere, den kleineren und weniger bekannten, aber ebenso lebendigen und fröhlichen Gemeinschaften Sichtbarkeit zu verleihen und zugleich den Reichtum der katholischen Kirche in ihrer sprachlichen, kulturellen und traditionellen Vielfalt zu würdigen.
Im Einklang mit dem von Papst Leo XIV. für den 112. Welttag der Migranten und Flüchtlinge gewählten Motto „Auch nur eines dieser Kinder“ (Mt 18,5) stand die Aufmerksamkeit für eben diese Gemeinschaften im Mittelpunkt. Die Feier wurde von Musik und Gesängen der eritreischen Gemeinschaft des Ge’ez-Ritus, der afrikanischen Gemeinschft und der ukrainischen Gemeinschaft des byzantinischen Ritus begleitet.
Die Heilige Messe wurde von Bischof Felix Gmür, Bischof der Diözese Basel, geleitet, zu deren Zuständigkeitsbereich auch die Abtei Mariastein gehört. Während der Gabenprozession wurden neben Brot und Wein verschiedene Symbole aus dem Leben von Migrantinnen und Migranten dargebracht, darunter ein Rucksack, ein Paar Sandalen und eine Landkarte.
Bischof Felix Gmür unterstrich die Bedeutung „dieser Begegnung zwischen verschiedenen Kulturen, Sprachen und Riten, die eine konkrete Gelegenheit zum Dialog zwischen den unterschiedlichen kirchlichen Realitäten unseres Landes darstellte. Verschiedene Traditionen, die sich in einem einzigen Glauben und in einer einzigen universalen Kirche vereinen, die fähig ist, Vielfalt anzunehmen und in der Pluralität einen Raum der Gemeinschaft zu schaffen.“
Abt Ludwig Ziegerer freut sich, Gastgeber dieser Veranstaltung gewesen zu sein, und erklärt: „Die Eucharistie führt uns zusammen über alle Grenzen hinweg. Wir stehen nicht als Gruppen nebeneinander, sondern wir werden zu einer Gemeinschaft: zum einen Volk Gottes, zum Leib Christi.“
„Teilen“ war das Leitmotiv des Tages. Zum Abschluss der Feier teilten die Mitglieder der über 10 anwesenden Gemeinschaften ihre traditionellen Speisen mit den Teilnehmenden und machten das Treffen zu einem authentischen Fest der Geschwisterlichkeit. Darüber hinaus bereicherten einige der anwesenden Gemeinschaften – darunter Zirkusleute, Fahrende, Slowaken, Tschechen, Kolumbianer, Syro-Malabarer und Portugiesen – das Fest mit ihren traditionellen Liedern und Tänzen. Viele Anwesende zeigten sich dankbar für die Möglichkeit, zusammenzukommen, gemeinsam zu feiern und dabei ihre Kultur mit anderen zu teilen. Beim abschliessenden Segen beteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam in verschiedenen Sprachen zu Maria.
In der Schweiz haben rund 40 Prozent der Katholikinnen und Katholiken, das entspricht etwa eineinhalb Millionen Menschen, einen Migrationshintergrund. Diese Zahl verdeutlicht, wie stark Migrationserfahrungen das Leben der katholischen Kirche im Land prägen und wie selbstverständlich sie zu ihrer Realität gehören.
Die Arbeit von migratio in der Schweiz leistet einen wichtigen Beitrag zur Seelsorge für fremdsprachige katholische Gemeinden und die katholischen Ostkirchen, für Missionen, für Menschen auf der Durchreise und aus der Zirkuswelt sowie für die Betreuung in den Bundesasylzentren.
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Migratio/Schweizer Bischofskonferenz SBK