Reduzieren und sparen – diese beiden Begriffe hört man im kirchlichen Kontext leider immer häufiger. Sie stehen sinnbildlich für Kirchenaustritte, den generellen Rückgang der Zahl der Katholikinnen und Katholiken sowie für die damit oft verbundenen sinkenden Einnahmen.
Zu den Finanzen der Kirchgemeinden im Kanton Graubünden ist folgendes Festzuhalten: Die katholischen Kirchgemeinden finanzieren sich grundsätzlich über die Steuereinnahmen der natürlichen Personen. Die Steuern der juristischen Personen werden vom Kanton Graubünden eingezogen und anschliessend – entsprechend dem Anteil der katholischen und evangelisch-reformierten Bevölkerung – an die beiden Landeskirchen verteilt.
Die Katholische Landeskirche Graubünden verwendet diese Einnahmen vor allem für Aufgaben, die allen Kirchgemeinden im Kanton zugutekommen. Dazu gehören die Fachbereiche, welche die Kirchgemeinden unter anderem in den Bereichen Religionsunterricht, Jugendarbeit, Diakonie und weiteren Themen unterstützen. Ebenso werden Baubeiträge an Kirchgemeinden, Fusionsbeiträge sowie jährlich Finanzausgleichbeiträge an die Kirchgemeinden finanziert. Darüber hinaus trägt die Landeskirche die Kosten für die Spezial- und Migrantenseelsorge im Kanton.
Aufgrund dieser Ausgangslage sind es derzeit vor allem die Kirchgemeinden und Pfarreien vor Ort, die am stärksten unter Kirchenaustritten und rückläufigen Steuereinnahmen leiden. Sie sind folglich auch diejenigen, die als Erste gezwungen sind, Angebote zu reduzieren und Sparmassnahmen umzusetzen. Häufig trifft der Rotstift dabei Dienstleistungen, Projekte und Angebote, die im Pfarreileben sehr geschätzt und gut genutzt werden.
Umso wichtiger erscheint es mir, das Engagement und Wirken der Kirche vor Ort sichtbarer zu machen. Ich betone immer wieder: Wo Kirchensteuergelder eingesetzt werden, muss dies auch nach aussen klar deklariert werden. Nur wenn es uns sowohl auf Ebene der Kirchgemeinden und Pfarreien als auch auf Ebene der Kantonalkirche gelingt, transparent und glaubwürdig aufzuzeigen, wofür diese Mittel verwendet werden, lassen sich Kirchensteuern langfristig legitimieren und rechtfertigen.
Abschliessend bringe ich einen Gedanken ein, der dazu anregen soll, bestehende Angebote und Strukturen kritisch zu überprüfen, bevor pauschal reduziert und gespart wird. Wo bestehen Angebote oder Strukturen, die überholt sind oder kaum noch nachgefragt werden? Stehen Aufwand und Ertrag unserer Aktivitäten noch in einem ausgewogenen Verhältnis?
Ich bin überzeugt: Wenn wir diese Überprüfung als dauerhafte Aufgabe verstehen und in unsere tägliche Arbeit integrieren, muss nicht zwingend reduziert und gespart werden. Im Gegenteil, es können neue, zeitgemässe Angebote entstehen und auch finanziert werden.
Thomas Bergamin*